Musikalische Biopics folgen oft einem Muster: Sie verherrlichen ihre Protagonisten, liefern einen Ohrwurm-Soundtrack und vermeiden unangenehme Wahrheiten. Filme wie Bohemian Rhapsody, Elvis oder Walk the Line erzählen keine echten Lebensgeschichten, sondern inszenieren ihre Helden als unantastbare Legenden. Der neue Film Michael über Michael Jackson bildet da keine Ausnahme – er ist ein typisches Beispiel für dieses Genre.
Ein Film, der Jackson idealisiert
Der Film springt durch die Jahre, rekonstruiert ikonische Momente wie den ersten Moonwalk beim Motown-25-Konzert und präsentiert Jackson als unfehlbaren Genius. Doch während er seine musikalischen Erfolge feiert, blendet er systematisch die dunkleren Kapitel von Jacksons Leben aus – insbesondere die Vorwürfe des Kindesmissbrauchs und sein exzentrisches Verhalten in späteren Jahren. Stattdessen wird Jackson als fast übermenschliches Wesen dargestellt, das von allen geliebt wird – außer von seinem tyrannischen Vater Joseph.
Die Kindheit als zentrales Motiv
Der Film beginnt mit einer Rückblende in Jacksons Kindheit in Gary, Indiana. Der junge Michael (gespielt von Juliano Valdi) liebt es, mit seinen Brüdern aufzutreten, doch ihr dominanter Vater Joseph (Colman Domingo) unterdrückt jede Kritik mit harter Hand. Die Mutter Katherine (Nia Long) versucht zu vermitteln, doch Josephs Perfektionismus erstickt jeden künstlerischen Freiraum. Als Erwachsener (gespielt von Jaafar Jackson, Jacksons Neffen) sehnt sich Michael nach dieser verlorenen Unschuld. Er sammelt Tiere, Disney-Figuren und verbringt Nächte mit seiner Mutter – immer auf der Suche nach einem Weg, seine Musik frei zu entfalten.
Keine kritischen Fragen, nur Hagiographie
Regisseur Antoine Fuqua und Drehbuchautor John Logan folgen den Klischees des Genres, ohne sie zu hinterfragen. Selbst wenn die Handlung an den Haaren herbeigezogen wirkt, wird sie unkritisch umgesetzt. Ein Beispiel: Michael äußert den Wunsch, mit seiner Musik die Welt zu verändern – und im nächsten Moment sieht er im Fernsehen Nachrichten über Bandengewalt. Doch statt dieser Realität zu begegnen, versammelt er kurzerhand Mitglieder der Crips und Bloods in seinem Studio, um ihnen Beat It vorzuspielen. Die Reaktion? Statt Ablehnung oder Spott zeigen die Gangmitglieder ehrfürchtige Bewunderung. So wird aus Jackson eine fast überirdische Figur, deren bloße Anwesenheit Konflikte löst.
Warum dieser Film problematisch ist
Der Film Michael ist kein Dokumentarfilm, sondern eine Hommage – und das ist sein größtes Problem. Indem er Jackson als unfehlbaren Heiligen darstellt, ignoriert er nicht nur historische Fakten, sondern verpasst auch die Chance, ein nuanciertes Porträt eines der einflussreichsten Künstler aller Zeiten zu zeichnen. Stattdessen wird der Zuschauer mit einer idealisierten Version konfrontiert, die wenig mit der Realität zu tun hat. Für Fans mag das befriedigend sein, doch wer eine ehrliche Auseinandersetzung mit Jacksons Leben erwartet, wird enttäuscht sein.
Fazit: Michael ist ein klassisches Biopic, das seine Stärken in der Unterhaltung sucht – nicht in der Wahrheit. Wer Jackson als unantastbare Legende sehen will, wird begeistert sein. Wer jedoch eine kritische Auseinandersetzung erwartet, sollte woanders suchen.