Der Aufenthalt im Weltall stellt für den menschlichen Körper eine extreme Belastung dar. Studien belegen, dass Astronauten unter beschleunigtem Knochenschwund, Wirbelsäulenproblemen und sogar Sehstörungen durch geschwollene Sehnerven leiden können. Einige Untersuchungen deuten zudem darauf hin, dass die DNA von Raumfahrern durch die Mikrogravitation verändert wird – mit noch unbekannten Langzeitfolgen.
Doch auch die Rückkehr zur Erde bringt Herausforderungen mit sich: Die Schwerkraft stört das Gleichgewichtsgefühl, da sich das Gehirn an die fehlende Orientierung im All gewöhnt hat. Wie NASA-Astronautin Christina Koch kürzlich in einem Video demonstrierte, ist die Umstellung alles andere als einfach.
In dem Clip, den sie etwa eine Woche nach ihrer Wasserlandung im Pazifik auf Instagram veröffentlichte, ist zu sehen, wie sie mit geschlossenen Augen sichtbar kämpft, einen Fuß vor den anderen zu setzen. „Ich werde wohl noch eine Weile auf das Surfen verzichten müssen“, kommentierte sie das Video trocken.
Der Grund für ihre Unsicherheit liegt in der vorübergehenden Fehlfunktion des Gleichgewichtssystems im Innenohr. Dieses sogenannte vestibuläre System hilft normalerweise, die Position des Körpers im Raum zu bestimmen. Im All passt sich das Gehirn an die fehlende Schwerkraft an und ignoriert die Signale des Innenohrs. Bei der Rückkehr zur Erde ist die Orientierung daher zunächst stark von den Augen abhängig.
„Ein Tandemgang mit geschlossenen Augen ist eine echte Herausforderung!“, erklärte Koch. „Diese Erkenntnisse können helfen, Schwindel, Gehirnerschütterungen und andere neuro-vestibuläre Erkrankungen auf der Erde besser zu behandeln.“
Koch ist keine Unbekannte in Sachen Langzeitaufenthalte im All. Während die Artemis-2-Mission im März 2024 nur zehn Tage dauerte, verbrachte sie zuvor fast ein Jahr auf der Internationalen Raumstation (ISS). Trotz intensiver Trainingsprogramme zur Stärkung der Muskulatur gibt es bisher keine Methode, um die gestörte Balance nach der Rückkehr zur Erde gezielt zu therapieren – die Zeit muss es richten.
Auch andere Astronauten berichten von ähnlichen Erfahrungen. Der dänische ESA-Astronaut Andreas Mogensen beschrieb nach seiner ISS-Mission: „Mit geschlossenen Augen war es fast unmöglich, geradeaus zu gehen.“ Seine Kollegin Jasmin Moghbeli ergänzte: „Die ersten beiden Tage fühlte ich mich wackelig. Mein Nacken war extrem erschöpft, weil ich meinen Kopf ständig aufrecht halten musste.“
Trotz der vorübergehenden Schwierigkeiten wiegt Kochs historische Mission – als erste Frau, die den Mond umrundete – alle Mühen auf. Die atemberaubenden Bilder aus dem All entschädigen für die kleinen Stolperer auf der Erde.