Was macht eine gute Liebesgeschichte aus? Sympathische Figuren, die man ins Herz schließt. Hindernisse, die sie trennen, bevor sie zueinanderfinden. Missverständnisse, große Gesten und eine Prise Drama. Doch für eine gelungene TV-Adaption braucht es noch mehr: überzeugende Hauptdarsteller, die ihre Gefühle von Leidenschaft bis Verletzlichkeit authentisch vermitteln können. Prime Video gelingt genau das mit der neuen RomCom-Serie „Off Campus“ – und geht dabei sogar noch einen Schritt weiter. In einer Zeit, in der toxisches Verhalten oft ungestraft bleibt, setzt die Serie klare Zeichen: Sie entlarvt toxische Männlichkeit und betont die Bedeutung von Einverständnis auf eine frische, unmissverständliche Weise.
Eine ungewöhnliche Romanze mit Tiefgang
Die Serie basiert auf dem Bestseller „The Deal“ von Elle Kennedy, dem ersten Teil der erfolgreichen „Off Campus“-Reihe. Die Handlung folgt Hannah Wells (Ella Bright), einer zurückhaltenden Musikstudentin an der Briar University. Sie träumt davon, endlich von ihrem heimlichen Schwarm, dem Lead-Sänger Justin (Josh Heuston), bemerkt zu werden. Doch statt passiv zu warten, schmiedet sie einen Plan – mit unerwarteten Konsequenzen.
Denn Hannah engagiert Garrett Graham (Belmont Cameli), einen Star-Hockeyspieler und „Legacy“-Studenten, der seine Noten verbessern muss, um im Team zu bleiben. Im Gegenzug für Nachhilfe spielt er den perfekten (fiktiven) Freund, um Justins Aufmerksamkeit auf Hannah zu lenken. Die Ausgangslage erinnert an „To All The Boys I’ve Loved Before“, doch die Serie entwickelt sich schnell zu einer eigenständigen, berührenden Geschichte.
Mehr als nur eine Liebesgeschichte: Themen mit Substanz
„Off Campus“ überzeugt nicht nur durch seine romantische Handlung, sondern auch durch die Art und Weise, wie es gesellschaftliche Themen aufgreift. Besonders hervorzuheben ist die Auseinandersetzung mit toxischer Männlichkeit und der Bedeutung von Konsens. Die Serie zeigt, wie schädlich veraltete Rollenbilder sein können – und wie wichtig es ist, Grenzen zu respektieren. Diese Botschaften werden nicht belehrend vermittelt, sondern fließen natürlich in die Handlung ein und machen die Serie zu mehr als nur einer klassischen RomCom.
Ein Ensemble mit Potenzial
Neben dem zentralen Paar Hannah und Garrett bietet die Serie ein buntes Ensemble an Charakteren, die bereits jetzt Lust auf mehr machen. Dazu gehören:
- Dean Di Laurentis (Stephen Kalyn): Der reiche Playboy wirkt zunächst abweisend, gewinnt aber im Laufe der Serie an Tiefe.
- John Logan (Antonio Cipriano): Der Underwood mit klaren Sympathiepunkten – sein Potenzial wird jedoch noch nicht voll ausgeschöpft.
- Allie Hayes (Mika Abdalla): Hannahs beste Freundin, die mit einer schmerzhaften Trennung kämpft und dabei selbst wächst.
- John Tucker (Jalen Thomas Brooks): Der charmante „Pitt“-Absolvent bringt mit seiner humorvollen Art frischen Wind in die Serie – besonders in einer chaotischen Thanksgiving-Szene, die er allein organisiert.
Falls die Serie den erwarteten Erfolg hat, könnten wir in den kommenden Staffeln noch mehr dieser Figuren in ihren eigenen Liebesgeschichten erleben. Ein Vergleich mit „Bridgerton“ drängt sich auf – nur mit heißen College-Studenten statt aristokratischer Gentlemen.
Fazit: Eine Serie mit Herz und Haltung
Der Pilot wirft zwar noch etwas steif und klischeehaft an, doch ab der zweiten Folge zeigt die Serie, was sie wirklich kann: überzeugende Darsteller, eine mitreißende Handlung und wichtige Themen, die unter die Haut gehen. Wer nach einer romantischen Serie mit Tiefgang sucht, die gleichzeitig unterhält und zum Nachdenken anregt, sollte „Off Campus“ nicht verpassen. Und wer weiß – vielleicht wird daraus bald ein neues Lieblingsformat, das noch mehr Geschichten aus dem Universum erzählt.
„Off Campus“ beweist, dass Romantik und gesellschaftliche Relevanz keine Gegensätze sein müssen. Eine Serie, die unterhält – und gleichzeitig wichtige Botschaften vermittelt.