Sieben Familien der Opfer des Schulmassakers von Tumbler Ridge in Kanada haben OpenAI verklagt. Sie werfen dem Unternehmen vor, trotz eindeutiger Hinweise auf einen bevorstehenden Amoklauf keine Behörden informiert zu haben. Die Kläger sehen darin eine direkte Mitverantwortung für die tödlichen Folgen.
Hintergrund: Warnsignale wurden ignoriert
Die 18-jährige Jesse Van Rootselaar tötete im Februar 2025 ihre Mutter und ihren jüngeren Stiefbruder, bevor sie an der Schule in Tumbler Ridge das Feuer eröffnete. Fünf Schüler im Alter von 12 bis 13 Jahren sowie eine Lehrerin starben, 27 weitere Personen wurden verletzt. Die Täterin nahm sich anschließend das Leben.
Wie das Wall Street Journal berichtete, hatte OpenAI bereits Monate zuvor automatische Moderationssysteme auf Van Rootselaars ChatGPT-Account aufmerksam gemacht. Mitarbeiter des Unternehmens stuften die Gespräche als konkrete Bedrohung ein und empfahlen, die kanadischen Behörden zu warnen. Doch die Führungsebene von OpenAI entschied sich gegen eine Meldung und deaktivierte stattdessen den Account.
Vorwürfe: Profit vor Menschenleben
Die Klageschriften, die in Kalifornien eingereicht wurden, bezeichnen ChatGPT als „Komplizen“ des Massakers. Die Familien argumentieren, dass eine frühzeitige Warnung die Tat hätte verhindern können. Stattdessen habe OpenAI aus Sorge vor zukünftiger Haftung und möglichen Auswirkungen auf einen geplanten Börsengang geschwiegen.
Zu den Klägern gehören die Familien aller sechs Todesopfer, darunter die 12-jährigen Schüler Ezekiel Schofield, Zoey Benoit, Ticaria „Tiki“ Lampert, Abel Mwansa Jr. und Kylie Smith sowie die 39-jährige Lehrerin Shannda Aviugana-Durand. Auch die Familie von Maya Gebala, die mit schweren Kopfverletzungen überlebte, ist vertreten. Gebalas Familie hatte bereits im März in Kanada geklagt; die neue Klage in den USA ersetzt diese.
Die Familien fordern, OpenAI für die „Gestaltung eines gefährlichen Produkts“, die Ignoranz gegenüber internen Warnungen und die unterlassene Behördeninformation zur Rechenschaft zu ziehen. In der Klageschrift heißt es: „OpenAI hat Profit über das Leben der Kinder von Tumbler Ridge gestellt.“
Rechtliche und ethische Fragen
Der Fall wirft grundsätzliche Fragen nach der Verantwortung von KI-Unternehmen auf. Kritiker fordern strengere Regulierung und Transparenz bei der Meldung von Bedrohungsszenarien. OpenAI hat bisher keine Stellungnahme zu den Vorwürfen abgegeben.
Experten warnen, dass ähnliche Vorfälle in Zukunft nur durch proaktive Sicherheitsmaßnahmen verhindert werden könnten. Die Kläger hoffen, dass der Prozess zu einer stärkeren Kontrolle von KI-Systemen führt – und damit zu mehr Sicherheit für Kinder und Jugendliche.