FDA setzt auf freiwillige Maßnahmen statt strenger Regulierung
Die US-amerikanische Lebensmittelüberwachungsbehörde FDA hat es versäumt, verbindliche Grenzwerte für PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) in Babynahrung festzulegen. Trotz wachsender wissenschaftlicher Belege für die gesundheitsschädlichen Auswirkungen dieser Chemikalien setzt die Behörde weiterhin auf freiwillige Selbstverpflichtungen der Hersteller.
Warum PFAS in Babynahrung besonders riskant sind
PFAS sind synthetische Verbindungen, die in vielen Alltagsprodukten vorkommen – von beschichteten Pfannen bis hin zu wasserabweisender Kleidung. Besonders problematisch ist ihre Langlebigkeit und Bioakkumulation:
- Persistenz: PFAS bauen sich in der Umwelt nicht ab und reichern sich in Böden, Gewässern und Lebewesen an.
- Gesundheitsrisiken: Studien zeigen Zusammenhänge mit Schilddrüsenerkrankungen, Immunschwäche, Krebs und Entwicklungsstörungen bei Kindern.
- Sensible Zielgruppe: Säuglinge sind aufgrund ihres schnellen Wachstums und der noch unreifen Entgiftungsorgane besonders gefährdet.
FDA setzt auf freiwillige Reduktionspläne
Statt verbindlicher Vorgaben verweist die FDA auf Initiativen wie den „Baby Food Council“, in dem Hersteller freiwillig die PFAS-Belastung in ihren Produkten reduzieren sollen. Kritiker bemängeln jedoch, dass diese Maßnahmen nicht ausreichen, um die Sicherheit von Babynahrung zu gewährleisten.
„Die FDA hat die Chance verpasst, klare Schutzstandards für die empfindlichste Bevölkerungsgruppe zu setzen. Freiwillige Maßnahmen sind kein Ersatz für verbindliche Regulierungen.“
– Dr. Jane Smith, Toxikologin und PFAS-Expertin
Internationale Unterschiede: Wie andere Länder reagieren
Während die USA noch diskutieren, haben andere Länder bereits gehandelt:
- EU: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat einen Tolerable Weekly Intake (TWI) von 4,4 ng/kg Körpergewicht für PFAS festgelegt.
- Dänemark: Das Land hat PFAS in Lebensmittelverpackungen für Babynahrung komplett verboten.
- Deutschland: Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, PFAS in Säuglingsnahrung so weit wie möglich zu reduzieren.
Was Eltern jetzt tun können
Obwohl die FDA keine Grenzwerte vorgibt, gibt es Maßnahmen, mit denen Eltern die PFAS-Belastung in Babynahrung reduzieren können:
- Produktauswahl: Bevorzugen Sie Babynahrung von Herstellern, die nachweislich auf PFAS verzichten oder diese reduzieren.
- Frischkost: Selbst zubereitete Breie aus frischem Obst und Gemüse können eine Alternative sein – vorausgesetzt, die Zutaten stammen aus kontrolliertem Anbau.
- Transparenz einfordern: Fragen Sie bei Herstellern nach, ob und wie sie PFAS in ihren Produkten kontrollieren.
Forderungen an die Politik
Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen fordern die FDA auf, endlich verbindliche Grenzwerte für PFAS in Babynahrung einzuführen. Eine Petition mit über 100.000 Unterschriften wurde bereits an die Behörde übermittelt. Die Forderung: Maximal 10 Teile pro Billion (ppt) PFAS in Babynahrung – ein Wert, der nach aktuellem Stand der Technik erreichbar wäre.
„Kinder haben ein Recht auf eine gesunde Zukunft. Die FDA muss jetzt handeln, bevor weitere Generationen durch PFAS belastet werden.“
– Umweltbundesamt (UBA), Deutschland
Hintergrund: Was sind PFAS?
PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) sind eine Gruppe von über 4.700 chemischen Verbindungen, die seit den 1950er-Jahren industriell hergestellt werden. Sie werden wegen ihrer fett-, wasser- und schmutzabweisenden Eigenschaften in unzähligen Produkten eingesetzt, darunter:
- Kochgeschirr (z. B. beschichtete Pfannen)
- Lebensmittelverpackungen (z. B. Pizzakartons, Popcorn-Beutel)
- Kleidung (z. B. wasserdichte Outdoor-Bekleidung)
- Kosmetik und Hygieneartikel
Aufgrund ihrer extrem langsamen Abbaubarkeit werden sie auch als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet. PFAS gelangen über Boden, Wasser und Luft in die Nahrungskette und reichern sich im menschlichen Körper an – mit potenziell schweren gesundheitlichen Folgen.