WASHINGTON, D.C. – Die Wirtschaftslage prägt seit Jahrzehnten die US-Wahlkämpfe. Doch in den letzten Jahren rückten soziale und kulturelle Themen in den Vordergrund der Demokraten. Jetzt holen sie das Thema „Erschwinglichkeit“ wieder nach vorne – und fordern konkrete Maßnahmen gegen hohe Lebenshaltungskosten.
Der Slogan „It’s the economy, stupid“ stammt aus dem Wahlkampf von Bill Clinton 1992 und gilt als Mahnmal für Politiker: Wirtschaftliche Sorgen überlagern oft alle anderen Themen. Doch unter Präsident Joe Biden und Vizepräsidentin Kamala Harris rückten andere Prioritäten in den Fokus. Jetzt, da die Inflation viele Haushalte belastet, gewinnt das Thema wieder an Bedeutung – auch für die Republikaner.
Präsident Donald Trump hatte 2016 mit dem Versprechen angetreten, die Preise für Verbraucher zu senken. Doch seine Politik – darunter Strafzölle und der Konflikt mit dem Iran, der die Energiemärkte destabilisierte – trieb die Kosten weiter in die Höhe. Die Folge: Die Sorge um die Wirtschaft und insbesondere die steigenden Lebenshaltungskosten ist heute so groß wie nie.
„Erschwinglichkeit“ als neues Wahlkampf-Schlagwort
Beide Parteien setzen im Wahlkampf 2026 und für die Präsidentschaftswahl 2028 auf das Thema „Erschwinglichkeit“. Der Begriff dominiert derzeit Debatten, Wahlprogramme und Werbespots – populär gemacht durch New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani, dessen Kampagne 2025 erfolgreich auf dieses Thema setzte.
Doch was bedeutet „Erschwinglichkeit“ überhaupt? Für die einen geht es um Mietpreise, für andere um Gesundheitskosten oder Löhne. Selbst Trump bezeichnete das Thema einmal als „Schwindel“. Doch eines ist klar: Wer bei den Wählern punkten will, muss jetzt glaubwürdig Lösungen für die „Küchentisch-Probleme“ anbieten.
Die Progressive Caucus legt einen 10-Punkte-Plan vor
Der demokratische Abgeordnete Greg Casar (Texas), Vorsitzender der Congressional Progressive Caucus, hat kürzlich den „New Affordability Agenda“-Plan vorgestellt. Die 10 Punkte umfassen konkrete Forderungen, um die Kosten für Bürger zu senken – etwa durch strengere Regulierung großer Konzerne und höhere Besteuerung der Superreichen.
Doch warum veröffentlicht die Progressive Caucus diesen Plan jetzt, obwohl die Demokraten weder im Kongress noch im Senat die Mehrheit haben? Casar erklärt im Gespräch mit Vox, dass die Agenda eine klare Botschaft an die Wählerschaft sende: Progressive Politik sei auch in der Opposition möglich.
Die zentralen Forderungen des Plans:
- Mietpreisbremse und bezahlbarer Wohnraum: Ausbau von Sozialwohnungen und strengere Regeln gegen überteuerte Mieten.
- Gesundheitskosten senken: Einführung einer öffentlichen Krankenversicherung und Preisobergrenzen für Medikamente.
- Lohnerhöhungen und Arbeitnehmerrechte: Mindestlohn von 15 Dollar pro Stunde und stärkere Gewerkschaften.
- Energiekosten drosseln: Subventionen für erneuerbare Energien und Senkung der Strompreise.
- Kampf gegen Monopole: Zerschlagung von Großkonzernen, die Preise künstlich hochhalten.
- Steuerreform für Reiche: Höhere Abgaben für Milliardäre und Schließung von Steueroasen.
„Unser Plan zeigt, dass wir nicht nur über Probleme reden, sondern konkrete Lösungen anbieten“, sagt Casar. „Die Menschen spüren die hohen Kosten jeden Tag – und sie wollen, dass die Politik endlich handelt.“
Kann der Plan Mehrheiten gewinnen?
Die Chancen auf eine Umsetzung des Plans sind gering, solange die Republikaner den Kongress dominieren und Trump im Amt bleibt. Doch Casar betont, dass der Plan auch eine strategische Rolle spiele: Er setze die Demokraten als Partei der „kleinen Leute“ in Szene und zwinge die Konkurrenz, sich zum Thema zu positionieren.
„Politik ist ein Marathon, kein Sprint“, so Casar. „Wir legen jetzt die Grundlagen für eine progressive Agenda, die langfristig die Wirtschaft fairer gestalten kann.“
Ob der „New Affordability Agenda“-Plan tatsächlich die Wende bringt, bleibt abzuwarten. Doch eines ist sicher: Das Thema „Erschwinglichkeit“ wird die politische Debatte in den kommenden Monaten dominieren.