Los Angeles, 7. Mai 2026 – Tom Steyer, Milliardär und Kandidat für das Amt des Gouverneurs von Kalifornien, steht im Mittelpunkt einer ungewöhnlichen Allianz: Linke Aktivisten, die sonst Senator Bernie Sanders verehren, setzen nun auf ihn als neuen Hoffnungsträger. Steyer, bekannt für seine Investitionen in Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit, hat mit seiner Kampagne bereits mehrere progressive Organisationen überzeugt – darunter Our Revolution, gegründet von Sanders-Unterstützern, und die California Nurses Association, eine führende Stimme für ein staatliches Gesundheitssystem nach dem Single-Payer-Modell.

Warum die Linke reiche Kandidaten akzeptiert

Steyers Erfolg ist kein Einzelfall. Auch andere Milliardäre wie JB Pritzker, Gouverneur von Illinois und Erbe der Hyatt-Hotelkette, oder Ro Khanna, demokratischer Abgeordneter aus Kalifornien mit einem geschätzten Vermögen von über 230 Millionen Dollar, genießen bei Teilen der progressiven Basis Anerkennung. Khanna, der als möglicher Präsidentschaftskandidat 2028 gehandelt wird, pflegt enge Verbindungen zur Sanders-Bewegung. Selbst Saikat Chakrabarti, ehemaliger Stripe-Mitgründer und nun Kandidat für den US-Kongress, setzt auf eine ähnliche Strategie: Er wirbt mit seiner Nähe zu Sanders und progressiven Themen, um linke Wähler zu mobilisieren.

Die Strategie: Selbstfinanzierung und progressive Versprechen

Ein zentraler Faktor für den Erfolg dieser Kandidaten ist ihre Fähigkeit, Kampagnen weitgehend aus eigener Tasche zu finanzieren. Steyer hat allein 132 Millionen Dollar in Werbung investiert, um seine Botschaften in Kalifornien zu verbreiten. Diese finanzielle Unabhängigkeit verspricht den Aktivisten, dass die Politiker weniger abhängig von traditionellen Parteispenden und Wirtschaftsinteressen sind. Die Democratic Socialists of America in Kalifornien lobten Steyer kürzlich als „progressivsten der derzeit wählbaren Gouverneurskandidaten“ und rieten von Proteststimmen ab.

Hintergrund: Von Roosevelt bis zur heutigen Kritik an Oligarchie

Die Unterstützung reicher Kandidaten durch linke Aktivisten mag paradox wirken, doch sie hat historische Wurzeln. Schon Franklin D. Roosevelt, selbst Spross einer einflussreichen Familie, setzte auf progressive Reformen. Heute jedoch ist die Skepsis gegenüber Milliardären in der Politik groß – besonders seit dem Urteil im Fall Citizens United, das die Rolle von Großspendern in Wahlkämpfen stärkte. Proteste wie die „Fighting Oligarchy“-Rallys von Sanders und Alexandria Ocasio-Cortez zeigen, wie sehr sich Teile der Linken gegen den Einfluss von Oligarchen stellen. Dennoch akzeptieren sie nun Kandidaten, die selbst zu dieser Gruppe gehören – solange deren Politik ihren Zielen entspricht.

Kritik und Kontroversen

Nicht alle linken Aktivisten teilen diese Haltung. Einige werfen Steyer und anderen vor, ihre Reichtumsquelle – etwa Immobilienbesitz oder Investitionen in Tech-Unternehmen – stehe im Widerspruch zu ihren progressiven Forderungen. Doch die Befürworter argumentieren, dass diese Kandidaten durch ihre finanziellen Mittel überhaupt erst in der Lage seien, unabhängige Kampagnen zu führen und die etablierte Politik herauszufordern. Die Debatte zeigt: Die Linke steht vor einem Dilemma – zwischen dem Wunsch nach Veränderung und der Ablehnung von Machtkonzentration.

„Die Unterstützung für Steyer zeigt, wie sehr sich die Linke nach Kandidaten sehnt, die nicht von der demokratischen Elite oder Wirtschaftslobby abhängig sind – selbst wenn diese Kandidaten selbst Milliardäre sind.“
Politikwissenschaftler Dr. Lisa Hartmann

Quelle: Vox