Moskau – Die Siegesparade am 9. Mai in Moskau war ein trauriges Abbild russischer Militärtradition. Statt imposanter Panzerkolonnen und Interkontinentalraketen dominierten Pappnachbauten und symbolische Gesten das Bild. Ein Rückblick auf eine Parade, die mehr an eine Farce als an eine Machtdemonstration erinnerte.
Von der Papp-Panzer-Legende zur Realität
Die Geschichte des sowjetischen Witzes aus den 1970ern, in dem ein Panzerfahrer auf dem Schwarzmarkt einen Papp-Panzer kauft, um ihn beim Umzug vorzuführen, wirkt heute wie eine ungewollte Vorhersage. Damals eine Anekdote, heute Realität: Videos aus russischen Städten zeigen Kindergärten, in denen Kinder mit selbstgebastelten Papp-Panzern, Plastikflugzeugen und Attrappen von Artilleriegeschützen durch die Straßen marschieren.
Die ukrainische und russische Exil-Opposition kommentierte das Spektakel mit beißender Ironie. Medien sprachen von einer "Parade der Schande", einem "peinlichen Spektakel" oder einem "Albtraum auf dem Roten Platz".
Putins peinliche Sicherheitsvorkehrungen
Doch die Vorbereitungen auf die Parade waren bereits von Pannen geprägt. Präsident Wladimir Putin fürchtete offenbar Drohnenangriffe der Ukraine und bat US-Präsident Donald Trump um eine Feuerpause. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj konterte mit einem genialen Schachzug: Er erließ eine Verordnung, die die Parade offiziell für "humanitäre Zwecke" in Moskau genehmigte – und veröffentlichte sogar die genauen Koordinaten des geschützten Gebiets. Eine klare Botschaft: Die Ukraine entscheidet, wo und wann russische Militärparaden stattfinden dürfen.
Die Reaktionen im russischen Propagandablock fielen entsprechend wütend aus. Kriegshetzerische Blogger beschimpften Selenskyj als Provokateur, der Putin bloßstelle. Einige forderten sogar einen Angriff auf Kiew. Gleichzeitig zeigte sich unterschwellige Verachtung für den russischen Präsidenten, den sie als Terpila – einen ewigen Opferstatus pflegenden Schwächling – bezeichneten.
Eine Parade ohne Panzer, aber mit Symbolik
Das eigentliche Ereignis entsprach den Erwartungen: eine kurze, gedämpfte Veranstaltung. Schwere Waffen wurden nur noch auf Video gezeigt. Die Parade dauerte weniger als eine Stunde. Putin betrat die Bühne unter massivem Sicherheitsaufgebot, eingehüllt in einen schwarzen Mantel, der möglicherweise eine schusssichere Weste verbarg. Seine Rede klang trotz der defensiven Haltung trotzig: Er behauptete, russische Soldaten in der Ukraine stünden einem "aggressiven Block aus NATO-Staaten" gegenüber, kämpften aber weiter. Der Begriff "Sieg" fiel zwar nicht, doch die Botschaft war klar: Der Krieg geht weiter.
"Die diesjährige Siegesparade war kein Triumphzug, sondern ein Eingeständnis der Schwäche. Russland inszeniert sich nicht mehr als unbesiegbare Militärmacht, sondern als Staat, der seine Paraden mit Pappattrappen verteidigen muss."
Internationale Reaktionen: Von Spott bis Empörung
Die internationale Gemeinschaft reagierte mit einer Mischung aus Spott und Besorgnis. Während westliche Medien die Parade als Zeichen russischer Verzweiflung deuteten, warnten Beobachter vor einer weiteren Eskalation. Die Ukraine nutzte die symbolische Schwäche Russlands für gezielte Provokationen – etwa durch die Veröffentlichung der geschützten Koordinaten. Für Putin und sein Regime war die Parade ein weiterer Beweis dafür, dass der Krieg nicht nur militärisch, sondern auch politisch und propagandistisch verloren geht.