Die Bedrohung durch Quantencomputer für Bitcoin und die Kryptobranche ist realer geworden. Ein unabhängiger Forscher namens Giancarlo Lelli hat den bisher größten bekannten Angriff auf elliptische Kurvenkryptografie durchgeführt – die Technologie, die Bitcoin, Ethereum und den Großteil des 2,6 Billionen Dollar schweren Kryptomarktes absichert.

Lellis Durchbruch markiert einen Quantensprung: Sein Angriff knackte einen 15-Bit-Schlüssel – 512-mal stärker als der bisherige Rekord. Damit hat sich die Bedrohungslage dramatisch verschärft. Noch vor wenigen Jahren galt ein solcher Angriff als Science-Fiction, doch heute kann ihn jeder mit Cloud-Zugang zu Quantencomputern durchführen.

„Der Gewinner nutzte öffentlich zugängliche Quantenhardware“, erklärte Andy Pruden, CEO des Startups Project Eleven, das sich auf die Abwehr von Quantenbedrohungen für Bitcoin spezialisiert hat. „Die Ressourcen für solche Angriffe werden immer günstiger, und die Hürden für eine praktische Umsetzung sinken.“

Die Entwicklung kommt zu einem kritischen Zeitpunkt: Im Januar 2025 warnten Top-Banker wie der UBS-CEO Sergio Ermotti und BlackRock vor der Quantenbedrohung – doch viele Entwickler ignorierten die Warnungen. Jetzt, nach Googles Beschleunigung des Quantencomputing-Zeitplans auf 2029, beginnt die Branche zu handeln.

Ein konkreter Vorschlag: Die Einfrierung von Bitcoin-Adressen, die besonders anfällig für Quantenangriffe sind – darunter möglicherweise auch die legendären 1,1 Millionen Bitcoin von Satoshi Nakamoto.

Von 6 auf 15 Bit in Rekordzeit

Lellis Rekord übertrifft den seines Vorgängers um das 512-fache – und das in nur sieben Monaten. Im September 2024 hatte Steve Tippeconnic erstmals öffentlich einen 6-Bit-Schlüssel mit Quantencomputing gebrochen. Lelli nutzte dagegen einen cloudbasierten Quantencomputer und knackte einen 15-Bit-Schlüssel. Dafür erhielt er von Project Eleven eine Bitcoin-Belohnung.

Bitcoin selbst nutzt 256-Bit-Schlüssel – eine enorme Lücke. Doch die Geschwindigkeit, mit der die Angriffe voranschreiten, zeigt: Die Kryptowährung ist verwundbarer, als viele denken. Forscher von Chaincode Labs schätzen, dass bis zu 60 % des gesamten Bitcoin-Angebots – rund 800 Milliarden Dollar – gefährdet sein könnten.

Doppelte Krise: Minen, AI und sinkende Netzaktivität

Die Bedrohung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Bitcoin-Miner ohnehin in der Krise stecken. Laut Analysten von Bernstein haben US-Miner begonnen, ihre Infrastruktur auf KI-Anwendungen umzustellen, da das Mining nach dem Halving 2024 unprofitabel wurde. Gleichzeitig ist die Netzwerkaktivität seit dem Start der Bitcoin-ETFs im Januar 2024 eingebrochen – und damit auch die Transaktionsgebühren, auf die die Miner zunehmend angewiesen sind.

„Kurz gesagt: Es sieht nicht gut aus“, kommentierte Nick Hansen, CEO des Mining-Portals Luxor, gegenüber DL News. „Es gibt derzeit keinen bullischen Katalysator für neue Investitionen in Mining.“ Er schätzt die Sorge vor Quantenangriffen auf einer Skala von eins bis zehn bei sechs oder sieben ein.

Quelle: DL News