Warum Anleihen für Ruheständler jetzt attraktiv sind

Für Anleger, die kurz vor der Rente stehen oder bereits im Ruhestand sind, war es in den letzten Jahren oft die einfachste Lösung, weiter auf Aktien zu setzen. Besonders US-Titel haben Anleihen deutlich outperformed. Doch die jüngsten Marktverwerfungen sollten ein Weckruf sein: Es ist Zeit, das Portfolio zu entschärfen und Anleihen eine größere Rolle zu geben.

Auch wenn Aktien noch immer nahe ihren Rekordständen notieren, bietet die aktuelle Situation eine günstige Gelegenheit, die Aktienquote zu reduzieren und das Geld in sicherere Anlagen wie Cash oder hochwertige Anleihen umzuschichten. Warum das sinnvoll ist, zeigen die Vorteile von Anleihen:

1. Geringere Volatilität – Schutz vor Marktturbulenzen

Anleihen zeichnen sich durch eine deutlich geringere Schwankungsbreite aus als Aktien. Zwar sind die Renditeerwartungen niedriger, doch die stabileren Erträge machen sie zu einem wichtigen Stabilisator im Portfolio. Besonders in der Rentenphase ist das entscheidend, um das Sequenzrisiko zu minimieren – also das Risiko, dass große Verluste zu Beginn der Auszahlungsphase das Portfolio nachhaltig schwächen.

2. Höhere Renditechancen dank gestiegener Zinsen

Die aktuellen Zinsniveaus bieten Anleihenanlegern deutlich bessere Perspektiven als noch vor wenigen Jahren. Während die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen im Sommer 2020 bei etwa 0,5 % lag, liegt sie heute bei rund 4,3 %. Diese höheren Startrenditen korrelieren stark mit den zukünftigen Erträgen. Zudem bieten höhere Zinsen einen besseren Schutz vor Kursverlusten: Selbst wenn der Anleihekurs fällt, erhält der Anleger weiterhin die Zinszahlungen.

3. Anleihen profitieren in Rezessionen

Mit den Sorgen vor einer schwächeren Konjunktur gewinnen hochwertige Anleihen an Attraktivität. Historisch gesehen performen sie in Rezessionsphasen zuverlässig positiv – ein entscheidender Vorteil gegenüber Aktien, die in solchen Phasen oft stark fallen.

Wie Anleger ihr Portfolio entschärfen können

Der erste Schritt ist klar: Nicht alle Aktien verkaufen und komplett in Sicherheit umschichten. Stattdessen sollte das Portfolio diversifiziert bleiben, um in verschiedenen Marktszenarien bestehen zu können. Zu starke Aktiengewichtung birgt das Risiko von Verlusten in Krisen, während eine zu defensive Ausrichtung mit zu vielen Anleihen die Inflationsanfälligkeit erhöht.

Ein bewährter Ansatz ist die Bucket-Strategie, die verschiedene Anlageklassen kombiniert:

  • Stocks für Wachstumsphasen,
  • Anleihen als Puffer in Rezessionen und bei Marktcrashs,
  • Cash für kurzfristige Ausgaben und Notfälle.

Diese Aufteilung ermöglicht es, von Aufschwüngen zu profitieren, gleichzeitig aber auch in unsicheren Zeiten abgesichert zu sein.

Fazit: Jetzt handeln, bevor es zu spät ist

Viele Anleger zögern, ihr Portfolio umzuschichten, weil sie befürchten, den richtigen Zeitpunkt zu verpassen. Doch die Realität zeigt: Wer jetzt handelt, profitiert von den noch relativ hohen Aktienkursen und kann das Geld in stabilere Anlagen umschichten. Ein Portfolio, das vor fünf Jahren zu 60 % aus Aktien und zu 40 % aus Anleihen bestand, ist heute ohne weitere Käufe bereits zu fast 80 % in Aktien investiert – ein deutlich höheres Risiko.

Die Botschaft ist klar: Für Ruheständler und kurz vor der Rente Stehende ist jetzt der Moment, das Portfolio zu entschärfen und Anleihen eine größere Rolle zu geben. So lässt sich das Risiko minimieren, ohne auf langfristige Renditechancen zu verzichten.