Ein kürzlich veröffentlichter Bericht der Financial Times wirft Defense Secretary Pete Hegseth vor, Insiderwissen über die drohende Eskalation mit dem Iran genutzt zu haben, um an der Börse zu profitieren. Die Vorwürfe basieren auf drei anonymen Quellen und werfen Fragen zur Einhaltung von Insiderhandelsregeln auf.
BlackRock lehnte verdächtige ETF-Anfrage ab
Laut dem Bericht kontaktierte Hegseths Broker bei Morgan Stanley im Februar die Investmentgesellschaft BlackRock, um einen multimillionen Dollar schweren Kauf eines Defense Industrials Active ETF zu tätigen. Dieser ETF enthält Aktien von Rüstungsunternehmen wie Lockheed Martin, Boeing und RTX Corporation – Firmen, deren Geschäfte direkt von einem möglichen Krieg profitieren würden.
BlackRock lehnte die Anfrage ab, da der ETF zu diesem Zeitpunkt noch nicht für Morgan-Stanley-Kunden verfügbar war. Ob Hegseth alternative Wege fand, um von der geopolitischen Lage zu profitieren, bleibt unklar. Ein Pentagon-Sprecher bezeichnete den Bericht als „völlig falsch und erfunden“ und bestritt, dass Hegseth oder dessen Vertreter jemals Kontakt zu BlackRock aufgenommen hätten.
Demokraten fordern SEC-Untersuchung
Die Vorwürfe werfen ein Schatten auf Hegseths Integrität. Senatorin Elizabeth Warren (Demokratin aus Massachusetts) forderte den Vorsitzenden der US-Börsenaufsicht SEC, Paul Atkins, in einem Schreiben auf, die Angelegenheit umgehend zu prüfen. Warren betonte, dass ein Versäumnis der SEC, hier aktiv zu werden, das Vertrauen der Anleger in die Märkte untergraben würde.
Bereits kurz nach Veröffentlichung des Financial-Times-Berichts hatten demokratische Abgeordnete Robert Garcia (Kalifornien) und Suhas Subramanyam (Virginia) Hegseth aufgefordert, alle Finanzdokumente seit November 2024 zu sichern. Eine offizielle Untersuchung durch den republikanisch dominierten Ausschuss für Regierungsaufsicht und Reformen gilt jedoch als unwahrscheinlich, da dessen Vorsitzender James Comer für seine parteiische Haltung bekannt ist.
Rechtliche Grauzone: Warum Hegseths ETF-Kauf problematisch wäre
In einem weiteren Schreiben warnten Warren und drei weitere demokratische Senatoren Hegseth, dass er selbst in Friedenszeiten gesetzlich verpflichtet wäre, Aktien von Rüstungsunternehmen wie Lockheed Martin, Boeing oder RTX Corporation zu meiden. Der von seinem Broker angefragte ETF enthielt genau diese Aktien – ein klarer Verstoß gegen geltendes Recht.
Die Vorwürfe werfen grundsätzliche Fragen zur Transparenz und Compliance von Regierungsmitgliedern auf. Sollte sich bestätigen, dass Hegseth Insiderwissen für Börsengeschäfte nutzte, könnte dies nicht nur rechtliche Konsequenzen haben, sondern auch das Vertrauen in die Integrität der US-Regierung weiter erschüttern.
Hintergrund: Insiderhandel und politische Verantwortung
- Insiderhandel ist in den USA streng verboten und kann mit hohen Strafen geahndet werden.
- Regierungsmitglieder unterliegen besonderen Ethikregeln, die den Besitz von Aktien in bestimmten Branchen einschränken.
- Die SEC ist für die Überwachung von Börsengeschäften zuständig und muss bei Verdacht auf Verstöße ermitteln.
Fazit: Warum die Affäre mehr Aufmerksamkeit verdient
Trotz der schwerwiegenden Vorwürfe blieb der Financial-Times-Bericht in den vergangenen Wochen weitgehend unbeachtet. Kritiker werfen der US-Medienlandschaft vor, sich zu sehr auf Skandale um ehemalige Präsidenten wie Donald Trump zu konzentrieren, während aktuelle Fälle von Machtmissbrauch und möglichen Gesetzesverstößen in der Regierung untergehen.
Die Forderung nach einer unabhängigen Untersuchung durch die SEC wird lauter. Sollte sich der Verdacht bestätigen, könnte dies nicht nur Hegseths Karriere beenden, sondern auch die Glaubwürdigkeit der gesamten US-Regierung weiter schwächen.