Tinders Verifizierungssystem unter der Lupe
Tinder führte 2023 in den USA ein Foto-Verifizierungssystem namens Face Check ein. Nutzer mussten ein kurzes Video-Selfie aufnehmen, dessen biometrische Daten mit den hochgeladenen Profilbildern abgeglichen wurden. Das Ziel: Betrüger und Fake-Profile erkennen. Doch die Umsetzung hat massive Schwächen.
Gefälschte Profile mit 'verifiziert'-Stempel
Der Journalist Christophe Haubursin entdeckte auf Tinder ein Muster: Acht Profilbilder zeigten eine Person, das neunte war eine künstlerische Darstellung – oft eine andere Person. Eine Rückwärtssuche ergab, dass die ersten acht Bilder zu einer Person gehörten, die nichts mit dem Profil zu tun hatte. Dennoch galt das Profil als verifiziert.
Haubursins Tests bestätigten den Verdacht: Ein einziges übereinstimmendes Bild reichte aus, um das gesamte Profil zu verifizieren – selbst wenn die anderen acht Bilder komplett anders aussahen. Betroffen waren vor allem Krypto-Betrüger, die so ihre Opfer fanden.
Wie Betrüger die Verifizierung austricksen
- Ein einziges echtes Foto wird mit dem Video-Selfie abgeglichen.
- Die restlichen Bilder können frei gewählt werden – auch von anderen Personen.
- Das Profil erhält trotzdem den 'verifiziert'-Status.
Gefahren für Nutzer und rechtliche Risiken für Tinder
Haubursin warnte vor den Folgen: Nutzer könnten Betrügern vertrauen, die sich als verifizierte Profile ausgeben. Besonders riskant ist dies bei Romance-Scams, bei denen Opfer finanziell oder emotional geschädigt werden.
"Wenn Tinder behauptet, ein Profil sei verifiziert, müssen Nutzer verstehen, was das wirklich bedeutet. Ein System, das in 8 von 9 Fällen versagt, ist keine echte Verifizierung."
Mögliche rechtliche Konsequenzen für Tinder
Experten verweisen auf ein aktuelles Urteil (Estate of Bride v. YOLO Technologies, Inc., 2024), das zeigt: Plattformen haften möglicherweise, wenn sie Sicherheitsversprechen nicht einhalten. Tinders aktuelle Verifizierung könnte rechtlich angreifbar sein, wenn Nutzer auf die 'verifiziert'-Markierung vertrauen und geschädigt werden.
Fazit: Nutzer sollten vorsichtig bleiben
Tinders Face Check ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber die Umsetzung ist mangelhaft. Nutzer sollten weiterhin kritisch bleiben und sich nicht allein auf Verifizierungs-Siegel verlassen. Betrüger finden immer neue Wege, um Sicherheitsmaßnahmen zu umgehen.