Die chemische Industrie ist für etwa fünf Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Doch während fossile Rohstoffe wie Öl und Gas in Produkte wie Plastikspielzeug, Düngemittel oder Waschmittel einfließen, bleibt der Herstellungsprozess oft undurchsichtig. Genau hier setzt Trillium Renewable Chemicals an: Das US-Start-up entwickelt biobasiertes Acrylnitril – einen zentralen chemischen Grundstoff für die Produktion von Carbonfasern, Kunststoffen wie Lego-Steinen oder medizinischen Handschuhen.

Acrylnitril als Schlüssel zur Dekarbonisierung

Acrylnitril wird bisher hauptsächlich aus Propylen hergestellt, einem Nebenprodukt der Öl- und Gasindustrie. Corey Tyree, CEO von Trillium, betont die Bedeutung des Stoffes für die CO₂-Bilanz vieler Endprodukte:

"Bei der Lebenszyklusanalyse dieser Produkte sticht Acrylnitril besonders hervor. Es ist die größte Herausforderung auf dem Weg zu einer klimaneutralen Produktion."

Von der Forschung zur industriellen Umsetzung

Trillium ging aus dem Southern Research Institute hervor, einer Non-Profit-Organisation, die vom US-Energieministerium gefördert wird. Jetzt hat das Start-up eine 13-Millionen-Dollar-Serien-B-Finanzierung abgeschlossen, geführt von HS Hyosung Advanced Materials. Zudem wurde die weltweit erste Demonstrationsanlage für biobasiertes Acrylnitril in Texas fertiggestellt.

Tyree unterstreicht den Unterschied zu früheren Versuchen, Acrylnitril aus pflanzlichen Rohstoffen herzustellen:

"Viele Unternehmen haben bereits mit biobasiertem Glycerin experimentiert, aber oft scheiterten diese Projekte an der Risikoaversion großer Konzerne. Bei uns ist das anders – unsere Investoren unterstützen uns, auch wenn wir scheitern sollten."

Technologische Innovation als Erfolgsfaktor

Southern Research entwickelte einen proprietären Katalysator und ein zweistufiges thermochemisches Verfahren, um Glycerin in Acrylnitril umzuwandeln. Trillium besitzt nun die exklusive Lizenz für dieses Verfahren. Der große Vorteil: Das biobasierte Acrylnitril kann direkt als Ersatz für die fossile Variante genutzt werden – ohne Änderungen in der weiteren Lieferkette.

In den kommenden Monaten will das Unternehmen die Demonstrationsanlage in Texas in Betrieb nehmen und erste Lieferungen starten. Das frische Kapital soll zudem die Planung einer ersten kommerziellen Anlage vorantreiben. Der Standort steht noch nicht fest.

Kosten und Marktchancen

Glycerin ist ein relativ günstiger Rohstoff, dennoch wird das biobasierte Acrylnitril voraussichtlich einen leichten Aufpreis gegenüber der fossilen Variante haben. Tyree geht jedoch davon aus, dass Trillium bestehende grüne Alternativen unterbieten kann, die aus niedrigemissions-Propylen hergestellt werden.

"Unser Ziel ist es, die Kosten für klimafreundliche Chemie zu senken und gleichzeitig die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen zu verringern."

Mit dieser Finanzierung und Technologie könnte Trillium einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung der chemischen Industrie leisten – und damit einen bisher wenig beachteten, aber zentralen Baustein der industriellen Wertschöpfungskette revolutionieren.