Die Wall Street hat neue Begriffe geprägt, die nun auch in der Politik zirkulieren: TACO und NACHO. Was als humorvolle Abkürzung für Börsenstrategien begann, wird zunehmend als spöttische Beschreibung für Donald Trumps Krisenmanagement genutzt. Doch die Regierung zeigt sich wenig amüsiert.

Von der Börse zur politischen Kritik

Der Begriff TACO – ausgeschrieben „Trump always chickens out“ (Trump zieht immer zurück) – stammt vom Financial Times-Kolumnisten Robert Armstrong. Im Mai 2025 prägte er den Ausdruck, um eine Anlagestrategie zu beschreiben: Investoren sollten nach Zollankündigungen des damaligen US-Präsidenten kaufen, in der Erwartung, dass er seine Drohungen bald widerrufen würde. Die Taktik basierte auf der Annahme, dass Trump trotz harter Worte letztlich zurückrudern würde.

Doch nun, fast zwei Monate nach Beginn des Konflikts mit dem Iran, scheint sich die Lage zu verschärfen. Die Spannungen im Persischen Golf, insbesondere die Blockade der strategisch wichtigen Straße von Hormuz – über die rund 20 % des weltweiten Öltransports laufen –, halten an. Trump hatte dem Iran Ultimaten gestellt, doch jedes Mal vor Fristablauf zurückgeschreckt. Die Frage stellt sich: Ist dies ein weiterer TACO-Moment?

NACHO als neues Schimpfwort

Doch die Social-Media-Gemeinde hat bereits einen neuen Begriff geprägt: NACHO, ausgeschrieben „Not a chance Hormuz opens“ (Es gibt keine Chance, dass Hormuz geöffnet wird). Der Begriff stammt von Bloomberg-Kolumnist Javier Blas, der ihn auf X (ehemals Twitter) teilte und einem Händler zuschrieb. Hintergrund ist ein Statement Trumps vom 29. April, in dem er andeutete, iranische Häfen monatelang blockieren zu wollen.

Während solche Backronyms – also rückwärts gebildete Abkürzungen – in der Politik zunehmend beliebt werden (etwa Trumps Vorschlag, die Einwanderungsbehörde ICE in NICE umzubenennen), stößt die Regierung Trump die Begriffe TACO und NACHO vehement ab. Bei einer Pressekonferenz im vergangenen Jahr bezeichnete Trump den Begriff TACO als „gemein“, nachdem ein Reporter danach gefragt hatte.

Weiße Haus reagiert mit Spott

Auf die Frage nach dem neuen Begriff NACHO antwortete der Sprecher des Weißen Hauses, Kush Desai, laut USA Today mit beißendem Sarkasmus: „Sind das dieselben Genies, die dachten, Präsident Trump würde niemals freiwillige Meistbegünstigungsklauseln bei Medikamentenpreisen aushandeln oder kaputte Handelsabkommen neu verhandeln?“

Die Debatte zeigt, wie politische Spannungen und Börsenjargon ineinanderfließen – und wie schnell aus Fachbegriffen politische Kampfbegriffe werden können. Während die einen die Begriffe als humorvolle Kritik sehen, empfindet die Regierung sie als gezielte Herabwürdigung. Ein Trend, der sich in der polarisierten US-Politik weiter verfestigen könnte.