Die von Präsident Donald Trump initiierte Abschiebewelle, die seit 2017 rund 60.000 undokumentierte Migranten in Abschiebehaft brachte und zwischen 350.000 und 605.000 Menschen deportierte, sollte eigentlich auch einheimischen Arbeitnehmern zugutekommen. Die Theorie: Weniger Konkurrenz durch Migranten führt zu höheren Löhnen und mehr Jobs für US-Bürger. Doch eine neue Studie der Universität Colorado widerlegt diese Annahme.
Die Ökonominnen Elizabeth Cox und Chloe N. East analysierten die Auswirkungen der Abschiebungen auf den Arbeitsmarkt und kamen zu einem überraschenden Ergebnis: Einheimische Arbeitnehmer profitieren nicht von den Abschiebungen – im Gegenteil. Besonders betroffen sind Branchen mit hohem Migrantenanteil wie Gastronomie, Baugewerbe und Gesundheitswesen.
Angst vor Abschiebungen reduziert Arbeitskräfteangebot
Die Studie zeigt, dass die Abschiebungen nicht nur die direkt betroffenen Migranten aus dem Arbeitsmarkt drängen, sondern auch eine verbreitete Verunsicherung unter den verbleibenden undokumentierten Arbeitnehmern auslösen. Viele fürchten, selbst zum Ziel von ICE-Razzien zu werden, und bleiben der Arbeit fern. In Branchen mit hohem Migrantenanteil sank die Beschäftigungsquote undokumentierter Arbeiter um 3,4 Prozentpunkte. Bei männlichen Arbeitnehmern – der Großteil der Abschiebungen betrifft Männer – ging die Beschäftigung sogar um 4,6 Prozentpunkte zurück, und die wöchentliche Arbeitszeit verkürzte sich um zwei Stunden.
Kein Ausgleich durch einheimische Arbeitnehmer
Die Studie widerlegt damit die Annahme, dass einheimische Arbeitnehmer die frei gewordenen Stellen übernehmen würden. Es gab keine Zunahme der Arbeitskräfte in den betroffenen Branchen. Stattdessen führt der Mangel an undokumentierten Arbeitnehmern dazu, dass auch einheimische Arbeiter mit ähnlichem Qualifikationsniveau (Hauptschulabschluss oder weniger) seltener eingestellt werden. Die Beschäftigung dieser Gruppe sank um 1,3 Prozent. Wie die Studie zeigt, geht mit jedem sechsten verlorenen männlichen undokumentierten Arbeiter auch ein einheimischer männlicher Arbeitnehmer verloren.
Trumps Theorie scheitert an der Realität
Trump und seine Anhänger argumentieren, dass weniger Migranten automatisch zu mehr Jobs für US-Bürger führen. Doch diese Theorie ignoriert, dass viele einheimische Arbeitnehmer in Branchen mit hohem Migrantenanteil höhere Positionen besetzen, die von Migranten nicht übernommen werden können. Ohne die undokumentierten Arbeiter, die oft einfache Tätigkeiten ausführen, sinkt die Nachfrage nach qualifizierteren einheimischen Kräften. Die Studie bestätigt damit, dass die Abschiebepolitik keinen positiven Effekt auf den Arbeitsmarkt hat – im Gegenteil: Sie schadet sowohl Migranten als auch einheimischen Arbeitnehmern.
„Die Abschiebungen reduzieren nicht nur das Arbeitskräfteangebot, sondern schaffen auch Unsicherheit, die sich negativ auf die gesamte Branche auswirkt.“ – Elizabeth Cox, Universität Colorado