Die US-Einwanderungsbehörde ICE bekommt einen neuen Chef: David Venturella, der zuvor über ein Jahrzehnt lang als Führungskraft beim privaten Gefängnisbetreiber GEO Group tätig war, wird ab dem 31. Mai die Position des amtierenden Direktors übernehmen. Damit steht er an der Spitze von Donald Trumps massiver Abschiebepolitik und dem rasant wachsenden System der Einwanderungshaft.

Venturella folgt auf Todd Lyons, der zum Monatsende sein Amt niederlegt. Seit 2017 hat die ICE keinen dauerhaft bestätigten Direktor mehr – alle Amtsinhaber wurden nur kommissarisch eingesetzt.

Die Ernennung kommt zu einem günstigen Zeitpunkt für GEO Group: Das Unternehmen ist der größte private Gefängnisbetreiber in den USA und profitiert maßgeblich von ICE-Aufträgen. ICE ist mit Abstand der wichtigste Kunde des Konzerns.

Auf einer Bilanzkonferenz Anfang Mai betonte GEO-Group-CEO George Zoley die starke Geschäftsentwicklung: „2025 war das erfolgreichste Jahr in unserer Firmengeschichte bei neuen Aufträgen. 2026 erwarten wir ebenfalls eine hohe Aktivität.“ Besonders lukrativ waren die ICE-Verträge: Allein im vergangenen Jahr generierte GEO Group durch neue Verträge bis zu 520 Millionen US-Dollar zusätzliche Jahreseinnahmen – der höchste Wert in der Unternehmensgeschichte.

Mit Venturella an der Spitze der ICE könnten diese Einnahmen weiter steigen. Zoley verwies auf 6.000 ungenutzte Hochsicherheitsplätze in GEO-Gefängnissen. „Wenn wir diese Kapazitäten mit inhaftierten Migranten füllen, könnten wir jährlich über 300 Millionen US-Dollar zusätzliche Einnahmen erzielen“, so Zoley.

Enge Verbindungen zwischen Regierung und Privatgefängnissen

Die Personalie Venturella ist kein Einzelfall: Die Trump-Administration hat wiederholt Führungskräfte aus der Privatgefängnis-Branche rekrutiert. So arbeitete etwa der ehemalige „Grenzbeauftragte“ Tom Homan – ein enger Freund Venturellas – für GEO Group. Auch die frühere Generalstaatsanwältin Pam Bondi war als Lobbyistin für den Konzern tätig.

Doch der Austausch funktioniert auch in die andere Richtung: Laut Washington Post wechselten in den letzten zehn Jahren mindestens sechs ehemalige ICE-Mitarbeiter zu GEO Group. „Das ist ein klassisches Beispiel für die Drehtür-Politik zwischen Behörden und Privatwirtschaft“, kritisiert Silky Shah von der Bürgerrechtsorganisation Detention Watch Network.

„Venturella kennt die ICE-Prozesse in- und auswendig – von seiner Zeit als hochrangiger Mitarbeiter bis zu seiner Rückkehr als externer Berater. Seine Ernennung wird wahrscheinlich zu einer weiteren Ausweitung der ICE-Haftzentren führen, finanziert durch staatliche Mittel und ohne demokratische Kontrolle.“

Die Entwicklung unterstreicht die wachsende Verflechtung zwischen Einwanderungsbehörden und privaten Gefängnisbetreibern – und wirft Fragen über Interessenkonflikte und die Zukunft der US-Einwanderungspolitik auf.