Behörden und Daten widersprechen Trumps Null-Prozent-Aussage

Die Behauptung der Trump-Administration, es gebe keine illegalen Grenzübertritte an der Südgrenze, gerät zunehmend ins Wanken. Während die Zahl der Asylsuchenden zurückgegangen ist, arbeiten Schmuggler und Drogenkartelle weiterhin mit Hochdruck an alternativen Routen.

Captain Timothy Williams von der Sheriffsbehörde des Cochise County in Arizona bestätigt gegenüber Medien:

"Wir beobachten weiterhin Gruppen, die das extrem schwierige Gelände durchqueren – komplett in Tarnkleidung, mit großen Rucksäcken und ähnlichem Equipment."

Drei Fakten zeigen: Die Grenze ist alles andere als dicht

Das Southeastern Arizona Border Region Enforcement (SABRE)-Programm, das Williams leitet, dokumentiert monatlich 200 bis 300 illegale Grenzübertritte entlang der Grenze von Kalifornien bis New Mexico. Dabei liegt die Festnahmequote bei etwa 33 Prozent – was bedeutet, dass zwei Drittel der Migranten unentdeckt bleiben.

Zusätzlich wurden kürzlich rund 200 Border-Patrol-Agenten in den Laredo-Sektor in Texas verlegt, um die gestiegene Zahl an „Gotaways“ – also Personen, die zwar erfasst, aber nicht festgenommen wurden – zu bekämpfen. Laut einem Bericht des Daily Wire stieg die Zahl der Festnahmen in mehreren Sektoren wie Laredo, Del Rio, Rio Grande Valley, Tucson und El Centro im Vergleich zu März 2025 deutlich an. Diese Regionen decken mehr als die Hälfte der gesamten Südgrenze ab.

Experten warnen vor falscher Sicherheit

Senator James Lankford (Republikaner aus Oklahoma), Vorsitzender des Senats-Unterausschusses für Grenzsicherheit, betont:

"Die Kartelle verdienen mit Menschenschmuggel und Drogenhandel extrem viel Geld. Sie werden immer neue Wege finden, um Menschen und Drogen ins Land zu bringen. Deshalb brauchen wir konsequente Kontrollen."

Lankford kritisiert zudem, dass das Heimatschutzministerium (DHS) seinen Ausschuss seit längerem nicht mehr über die aktuellen Zahlen zu „Gotaways“ informiert habe. Er erwartet jedoch baldige Updates. Laut Daten der Zoll- und Grenzschutzbehörde (CBP) wurden im März 2025 etwa 8.000 Menschen bei illegalen Grenzübertritten erfasst – ein Anstieg von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Für das Fiskaljahr 2025 wurden laut einem Haushaltsbericht rund 70.000 „Gotaways“ dokumentiert. Die genauen Zahlen werden jedoch nicht regelmäßig oder nach Sektoren aufgeschlüsselt veröffentlicht.

Sheriffs widersprechen der offiziellen Darstellung

Sheriff Mark Dannels aus dem Cochise County, der für den Tucson-Sektor zuständig ist, relativiert die Aussagen der Regierung:

"Was die Grenze angeht, würde ich sie als beherrschbar bezeichnen – das ist mein Ausdruck dafür."

Dannels’ County ist für das SABRE-Programm verantwortlich und teilt die erfassten Daten mit anderen Behörden. Seine Einschätzung steht im klaren Kontrast zu den öffentlichen Aussagen der Trump-Administration.

Trumps „Null-Prozent“-These: Fakten vs. Rhetorik

Offizielle Aussagen der Regierung

Im Dezember 2024 behauptete Pete Hegseth, Staatssekretär im Pentagon, bei einer Veranstaltung in Kalifornien:

"Heute beträgt die Zahl der Illegale, die in unser Land einreisen, null."
Er unterstrich seine Aussage mit einer entsprechenden Handgeste.

Im Februar 2025 schrieb der Weiße Haus-Kommunikationsdirektor Steven Cheung auf X (ehemals Twitter):

"Null Grenzübertritte in neun aufeinanderfolgenden Monaten."

Ende April 2025 bekräftigte der damalige Border-Patrol-Chef Michael Banks auf X:

"Sie werden erfasst, verhaftet, strafrechtlich verfolgt und abgeschoben. Die Grenze ist dicht."

Gegenposition: „Die Grenze ist die sicherste seit Jahrzehnten“

Tom Homan, der „Border Czar“ der Trump-Administration, widersprach in einem Interview mit Axios den Zweifeln:

"Heute ist unsere Grenze die sicherste, die ich in meinem Leben erlebt habe. Das bedeutet nicht, dass keine Arbeit mehr anfällt – deshalb hat diese Regierung vom Kongress zusätzliche Mittel für eine weitere Stärkung der Grenzsicherheit erhalten."

Doch während die Regierung auf Erfolge verweist, zeigen lokale Behörden und unabhängige Daten ein anderes Bild: Die Grenze bleibt ein Brennpunkt mit anhaltenden Herausforderungen.

Quelle: Axios