Stabile Jobzahlen trotz globaler Krisen

Die jüngsten Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben zwar zu historischen Unterbrechungen der globalen Ölversorgung geführt und die Benzinpreise in den USA auf über 4,50 Dollar pro Gallone getrieben, doch der amerikanische Arbeitsmarkt zeigt sich bisher unbeeindruckt. Laut einer Umfrage des Datenanbieters FactSet wird erwartet, dass US-Unternehmen, Non-Profit-Organisationen und Regierungsbehörden im April insgesamt 65.000 neue Stellen geschaffen haben. Dies wäre ein Rückgang gegenüber den überraschend starken 178.000 Jobs im März.

Arbeitsmarkt in ungewöhnlichen Zeiten

Normalerweise wären 65.000 neue Jobs pro Monat ein enttäuschendes Ergebnis. Doch die aktuellen Rahmenbedingungen sind alles andere als normal. Durch die Pensionierung der Babyboomer-Generation und die verschärften Einwanderungsregeln von Präsident Donald Trump sinkt die Zahl der Arbeitsplatzbewerber. Dadurch muss die Wirtschaft weniger neue Jobs schaffen, um die Arbeitslosenquote stabil zu halten.

Matthew Martin von Oxford Economics erklärt, dass die sogenannte "Break-even-Point" – die Anzahl neuer Jobs, die benötigt werden, um ein Ansteigen der Arbeitslosenquote zu verhindern – mittlerweile nahe null liegt. Tatsächlich wird erwartet, dass die Arbeitslosenquote im April unverändert bei 4,3 % bleibt.

Iran-Konflikt belastet Wirtschaft, nicht den Arbeitsmarkt

Nach den gemeinsamen Angriffen der USA und Israels auf den Iran Ende Februar sperrte der Iran die Straße von Hormuz, durch die etwa ein Fünftel des weltweiten Öls und verflüssigten Erdgases transportiert wird. Diese Unterbrechung hat zu einem deutlichen Anstieg der Energiepreise geführt und viele Ökonomen veranlasst, ihre Wachstumsprognosen für die globale und US-Wirtschaft nach unten zu korrigieren. Doch die Auswirkungen auf den US-Arbeitsmarkt sind bisher nicht spürbar.

Der Lohnabrechnungsdienstleister ADP berichtete am Mittwoch, dass private Arbeitgeber im April 109.000 neue Stellen geschaffen haben. Diese Zahl ist zwar keine zuverlässige Vorhersage für den offiziellen Arbeitsmarktbericht des US-Arbeitsministeriums, der am Freitag veröffentlicht wird, doch sie zeigt den stärksten Anstieg der Einstellungen seit Januar 2025. Zudem meldete das Arbeitsministerium am Dienstag, dass die Bruttoeinstellungen – also die Gesamtzahl der Neueinstellungen vor Abzügen von Kündigungen und Entlassungen – im März so hoch waren wie seit über zwei Jahren nicht mehr.

Steuerrückerstattungen befeuern Konsum und Jobwachstum

Ein weiterer Faktor, der die Wirtschaft stützt, sind die großen Steuerrückerstattungen, die in diesem Frühjahr aufgrund der Steuersenkungen aus dem Vorjahr ausgezahlt werden. Diese ermöglichen es den Verbrauchern, mehr Geld auszugeben, was Unternehmen wiederum dazu veranlasst, aufgrund steigender Nachfrage neue Arbeitskräfte einzustellen.

Uneinheitliche Erholung nach schwachem Jahr 2025

Der Arbeitsmarkt zeigt nach einem düsteren Jahr 2025 erste Anzeichen einer Erholung. Im vergangenen Jahr wurden durchschnittlich nur 9.700 neue Jobs pro Monat geschaffen – die niedrigste Zahl außerhalb einer Rezession seit 2002. Hohe Zinssätze und die Unsicherheit über die Wirtschaftspolitik von Präsident Trump bremsten die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen.

Die Erholung im Jahr 2026 verlief bisher ungleichmäßig: Nach zwei starken Monaten mit 160.000 neuen Jobs im Januar und 178.000 im März folgte im Februar ein Rückgang, bei dem Arbeitgeber 133.000 Stellen abgebaut haben.

Gesundheitsbranche als Jobmotor

Ein Sektor sticht jedoch besonders hervor: Die Gesundheitsbranche, die auf die alternde US-Bevölkerung reagiert, hat in den letzten zwölf Monaten 360.000 neue Jobs geschaffen. Alle anderen Branchen zusammen haben dagegen 120.000 Stellen abgebaut.

"Die Arbeitsmarktentwicklung ist weiterhin von strukturellen Veränderungen geprägt. Die alternde Bevölkerung und die restriktive Einwanderungspolitik reduzieren den Druck auf den Arbeitsmarkt, sodass selbst moderate Jobzuwächse ausreichen, um die Arbeitslosenquote stabil zu halten."
Diane Swonk, Chefökonomin bei KPMG