Für mehr als 25 Jahre stand ein deutsches Markenzeichen in China für Status und Erfolg. Doch diese Gleichung gilt nicht mehr. China bleibt zwar einer der wichtigsten Märkte für deutsche Automobilhersteller, doch die lokalen Konkurrenten gewinnen zunehmend die Gunst junger Käufer – mit spürbaren Folgen für Konzerne wie Volkswagen.
Robert Cisek, China-Chef von Volkswagen, räumt ein, dass die rasante Veränderung des chinesischen Automarkts „jenseits aller Vorstellungen“ verlaufe. Mittlerweile nehmen junge Kunden Volkswagen zunehmend als Marke für die ältere Generation wahr. Über zwei Jahrzehnte hinweg war VW in China der meistverkaufte Automobilhersteller, doch 2024 wurde das Unternehmen von BYD überholt. 2025 rutschte Volkswagen sogar auf den dritten Platz ab – hinter Geely.
Experten wie der Automobilberater Felipe Muñoz von JATO Dynamics führen den Niedergang deutscher Marken auf deren verspätete Reaktion auf den Wandel zurück. „Sie haben diese große Veränderung nicht kommen sehen – und schon gar nicht mit dieser Geschwindigkeit“, so Muñoz. Während die Neuzulassungen in China insgesamt steigen, sank der Marktanteil deutscher Hersteller von 26 Prozent im Jahr 2019 auf nur noch 16 Prozent im Jahr 2025. In Zahlen bedeutet das: 3,9 Millionen Fahrzeuge wurden 2025 verkauft – ein deutlicher Rückgang.
Deutsche Hersteller kämpfen um verlorenes Terrain
Früher reichten bei Volkswagen und Co. hochwertige Verarbeitung, edle Materialien und ein starker Ruf, um in China erfolgreich zu sein. Doch diese Faktoren allein reichen heute nicht mehr aus, wie Reuters berichtet. Um den Trend umzukehren, setzt der Volkswagen-Konzern in diesem Jahr auf 20 neue Modelle mit alternativen Antrieben – darunter rein elektrische Fahrzeuge, Plug-in-Hybride und batterieelektrische Modelle.
Viele dieser Fahrzeuge wurden kürzlich auf der Beijing Auto Show präsentiert, darunter:
- Der ID. Aura T6, entwickelt in Kooperation mit FAW,
- der ID. Unyx 09, entstanden in Zusammenarbeit mit Xpeng, sowie
- der rein elektrische Audi E7X aus dem SAIC-Joint-Venture.
Ob diese Modelle ausreichen, um junge Käufer zurückzugewinnen, bleibt jedoch fraglich. Eine aktuelle Umfrage von AlixPartners zeigt, dass viele junge Chinesen deutsche Autos trotz des „Made in Germany“-Labels meiden. Während der Slogan in anderen Ländern nach wie vor positiv konnotiert ist, scheint er in China an Strahlkraft verloren zu haben.
„Die deutschen Hersteller haben den Wandel verschlafen. Jetzt müssen sie nicht nur technologisch, sondern auch in puncto Image und Kundenansprache nachlegen.“
Felipe Muñoz, Automobilberater
Lokale Marken dominieren mit innovativen Konzepten
Während deutsche Hersteller mit veralteten Strategien kämpfen, setzen chinesische Konkurrenten wie BYD, Geely und NIO auf agile Produktentwicklung, digitale Services und bezahlbare Preise. BYD etwa überzeugte 2024 mit einer breiten Palette an Elektrofahrzeugen, die sowohl in Sachen Reichweite als auch Ausstattung überzeugen. Geely wiederum punktet mit Hybridmodellen und einem starken Fokus auf Nachhaltigkeit.
Experten sind sich einig: Um in China wieder Fuß zu fassen, müssen deutsche Hersteller nicht nur ihre Produktpalette modernisieren, sondern auch ihre Marketingstrategien anpassen. Preisgestaltung, digitale Vertriebswege und ein klares Nachhaltigkeitsversprechen könnten dabei entscheidende Faktoren sein.