In den Hügeln nahe Reno, Nevada, steht ein ungewöhnliches Datenzentrum: Es bezieht seinen Strom nicht aus dem öffentlichen Netz, sondern aus Solarenergie und Hunderten gebrauchter E-Auto-Batterien. Gebaut wurde es vom Startup Crusoe, das damit eine innovative Lösung für die wachsende Stromnachfrage durch Rechenzentren anbietet.

Hinter dem Projekt steckt Redwood Materials, ein Unternehmen mit einem Marktwert von über sechs Milliarden Dollar, und dessen Gründer und CEO JB Straubel. Der ehemalige Tesla-CTO erkannte das Potenzial von gebrauchten E-Auto-Batterien, die noch immer über ausreichend Kapazität verfügen, um als günstige Energiespeicher zu dienen. Statt neue Batterien zu produzieren – ein kostspieliger und ressourcenintensiver Prozess – nutzt Redwood Materials die vorhandene Energie in Second-Life-Batterien, um flexible Stromspeicherlösungen für Energieversorger und Mikronetze zu entwickeln.

„Ich habe eine Abneigung gegen Verschwendung“, erklärt Straubel. „Es schmerzt mich als Ingenieur, wenn wir diese Batterien einfach recyceln, obwohl sie noch nutzbar sind. Deshalb haben wir nach einer besseren Lösung gesucht – und sie skalierbar gemacht.“

Seine Vision kommt genau zum richtigen Zeitpunkt: Der US-amerikanische Energiespeichermarkt boomt. Im vergangenen Jahr wurden Rekordkapazitäten von 18,9 Gigawatt installiert – genug, um etwa 15 bis 20 Millionen Haushalte kurzfristig mit Strom zu versorgen. In Kalifornien stammten zeitweise 43 % des Stroms aus Batteriespeichern. Bis 2027 erwartet die US-Energiemarktbehörde einen weiteren Anstieg um über 50 %, getrieben durch den Ausbau erneuerbarer Energien und den steigenden Strombedarf neuer Datenzentren.

Während einige Rechenzentren auf neue Gaskraftwerke setzen – die zusammen mehr Emissionen verursachen könnten als manche Länder –, bietet Redwood Materials eine klimafreundlichere Alternative. Für Betreiber von Datenzentren bedeutet dies: Sie müssen nicht auf den Ausbau des Stromnetzes warten und können die Forderung der US-Regierung erfüllen, eigene Stromquellen für neue Projekte bereitzustellen. Energieversorger profitieren von einer kostengünstigeren Speicherlösung für erneuerbare Energien, und Fabriken können Strom zu Zeiten günstiger Tarife speichern und später nutzen.

Mit dem Zugang zu gebrauchten E-Auto-Batterien ist Redwood Materials auf dem besten Weg, Hundertausende Megawattstunden an Speicherkapazität bereitzustellen. Die Technologie könnte nicht nur die Energiewende vorantreiben, sondern auch die Kosten für Rechenzentren senken – und das lokale Stromnetz entlasten.