Straßenbau und Verkehr als Risikofaktor für psychische Gesundheit
Forscher haben herausgefunden, dass Stadtviertel, die durch Straßen und Verkehrsmuster isoliert sind, mit einer höheren Zahl an Krankenhausaufenthalten aufgrund von Schizophrenie verbunden sind. Bisherige Studien konzentrierten sich vor allem auf den Einfluss von Luftverschmutzung und Lärm auf die psychische Gesundheit. Doch die neue Untersuchung zeigt, dass auch die Infrastruktur selbst eine entscheidende Rolle spielt – insbesondere, wie sie soziale Kontakte unterbricht.
Studie in New York City liefert aufschlussreiche Ergebnisse
Die Studie konzentrierte sich auf New York City und analysierte Daten auf ZIP-Code-Ebene. Dabei wurden Krankenhausaufenthalte aufgrund von Stimmungsstörungen, Angstzuständen, Anpassungsstörungen und Schizophrenie mit dem Grad der sozialen Isolation in Verbindung gebracht. Die Forscher entwickelten dafür den Community Severance Index, der die Rolle von Straßen, Verkehr und fehlender Fußgängerinfrastruktur bei der physischen und sozialen Trennung von Gemeinschaften misst.
Community Severance Index: Ein neues Maß für soziale Isolation
Der von Marianthi-Anna Kioumourtzoglou, Professorin für Epidemiologie und Umwelt an der Brown University, entwickelte Index bewertet, wie Straßen und fehlende Gehwege die soziale Interaktion behindern. „Wir haben zunehmend Belege dafür, dass Luftverschmutzung die psychische Gesundheit beeinträchtigt“, sagt Kioumourtzoglou. „Elektrofahrzeuge können zwar Emissionen reduzieren, aber das allein reicht nicht aus. Wir müssen uns von der Autodependenz lösen und Städte gestalten, die Menschen zusammenbringen statt sie zu isolieren.“
Schizophrenie-Risiko steigt mit sozialer Isolation
Die Studie ergab, dass höhere soziale Isolation mit einer Zunahme von Krankenhausaufenthalten wegen Schizophrenie verbunden ist – und zwar unabhängig vom Alter der Betroffenen. Während die genauen Ursachen noch erforscht werden, zeigt sich, dass städtische Umweltfaktoren wie Verkehrsmuster und Straßenbau aktiv gestaltet werden können.
„Städtische Umweltbelastungen – insbesondere Verkehrsmuster und Straßenbau – sind Faktoren, die durch Stadtplanung angegangen werden können.“
Jaime Benavides, Epidemiologe an der Brown University
Lösungsansätze für gesündere Städte
Die Forscher schlagen vor, den Autoverkehr zu reduzieren, mehr zugängliche Parks zu schaffen und Autobahnen zu vermeiden, die Wohnviertel zerschneiden. „Städte sollten so gestaltet werden, dass sie soziale Interaktion fördern“, sagt Benavides. „Das kann durch bessere Fußgängerwege, sichere Überquerungshilfen und lebendige Nachbarschaftszentren erreicht werden.“
Die Studie unterstreicht, dass psychische Gesundheit nicht nur von individuellen Faktoren abhängt, sondern auch von der gebauten Umwelt. Eine intelligente Stadtplanung könnte daher einen wichtigen Beitrag zur Prävention von psychischen Erkrankungen leisten.