Neue Erkenntnisse zu Wildfeuer-Rauch: Ozon als unterschätzter Gesundheitsrisikofaktor
Eine über zwei Jahrzehnte umfassende Studie belegt, dass der Rauch von Wildfeuern in den USA nicht nur Feinstaub, sondern auch die Konzentration von bodennahem Ozon deutlich erhöht. Die damit verbundenen Gesundheitsrisiken wurden bisher stark unterschätzt, wie die Forschungsergebnisse zeigen.
Die Studie, geleitet von Minghao Qiu von der Stony Brook University und weiteren Wissenschaftlern, wurde in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht. Bisher konzentrierte sich die Forschung vor allem auf die schädlichen Auswirkungen von Feinstaub aus Waldbränden. Ozon hingegen, das unsichtbar ist, aber als starkes Oxidationsmittel wirkt, wurde kaum beachtet. Doch die Exposition gegenüber erhöhten Ozonwerten steht in Verbindung mit Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Problemen, nachlassender kognitiver Leistung und einer erhöhten Sterblichkeit.
„Mit dem Fortschreiten des Frühlings und Sommers werden Wildfeuer in den USA und ganz Nordamerika voraussichtlich zunehmen. Wissenschaftler müssen daher nicht nur die Auswirkungen von Feinstaub, sondern auch die des durch Brände freigesetzten Ozons berücksichtigen.“
Minghao Qiu, Hauptautor der Studie und Assistenzprofessor an der Stony Brook University
Wie Ozon durch Wildfeuer entsteht und die Gesundheit gefährdet
Die Forscher analysierten fast zwei Jahrzehnte an Oberflächen-Ozonmessungen (2006 bis 2023), meteorologische Daten sowie Satellitenaufnahmen. Mithilfe von maschinellen Lernmodellen quantifizierten sie die Veränderungen der Ozonkonzentration während Waldbrandperioden in den gesamten USA. Dabei nutzten sie das satellitengestützte NOAA Hazard Mapping System, um Rauchwolken zu identifizieren und Ozonwerte an Tagen mit und ohne Rauchbelastung zu vergleichen – unter Berücksichtigung von Temperatur und UV-Strahlung.
Die Ergebnisse sind alarmierend: In einigen Regionen der USA, insbesondere im Osten und Mittleren Westen, stieg die Ozonbelastung durch Wildfeuerrauch um bis zu 16 % an. Diese Erhöhung ist signifikant genug, um Krankheiten und Todesfälle zu begünstigen. Die Studie schätzt, dass die zusätzliche Ozonbelastung durch Wildfeuer jährlich zu mehr als 2.000 zusätzlichen Todesfällen in den USA führt.
Zwei zentrale Erkenntnisse der Studie
Minghao Qiu betont zwei entscheidende Punkte:
- Die tatsächlichen gesundheitlichen Folgen von Wildfeuer-Rauch sind höher als bisher angenommen, da frühere Studien die Ozonbelastung nicht berücksichtigt haben.
- Auch an Tagen mit scheinbar guter Luftqualität nach einem Waldbrand kann unsichtbares Ozon vorhanden sein, das die Gesundheit gefährdet. Feinstaub und Ozonbelastung treten oft nicht gleichzeitig auf.
Da einige der verwendeten Expositions-Reaktions-Funktionen speziell auf Daten älterer Bevölkerungsgruppen basieren, beschränkten sich die Forscher bei der Schätzung der Sterblichkeit auf Personen ab 65 Jahren, um Konsistenz zu wahren.
Fazit: Dringender Handlungsbedarf für Politik und Wissenschaft
Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit, die gesundheitlichen Auswirkungen von Wildfeuer-Rauch neu zu bewerten. Während Feinstaub bereits als Gesundheitsrisiko bekannt ist, zeigt die aktuelle Forschung, dass auch Ozon eine bisher unterschätzte Gefahr darstellt. Die Wissenschaftler fordern, dass künftige Untersuchungen und politische Maßnahmen beide Schadstoffe gleichermaßen berücksichtigen müssen, um die Bevölkerung besser zu schützen.