Neues Gerichtsurteil erschwert Zugang zu Mifepriston
Am 1. Mai informierte die Geschäftsführerin des Chicago Abortion Fund, Megan Jeyifo, ihr Team per Slack über eine gerichtliche Entscheidung, die den bundesweiten Zugang zur Abtreibungspille Mifepriston stark einschränkte. „Telemedizinische Verschreibungen von Mifepriston sind nun für niemanden mehr möglich“, teilte sie mit. „Wir analysieren gerade, wie sich das auf unsere Partnerorganisationen auswirkt, die derzeit Telemedizin anbieten.“
Das Fifth Circuit Court of Appeals hatte Louisiana recht gegeben und eine einstweilige Verfügung gegen eine FDA-Regelung aus dem Jahr 2023 erlassen. Diese Regelung hatte es Anbietern in Bundesstaaten mit liberalerem Abtreibungsrecht ermöglicht, Mifepriston per Fernbehandlung an Patientinnen in Staaten mit Abtreibungsverboten zu verschicken. Mehr als ein Viertel aller Abtreibungen in den USA erfolgt derzeit auf diesem Weg.
Supreme Court setzt Zugang vorübergehend wieder frei
Bereits am Montag hob der US Supreme Court die Einschränkungen vorläufig auf. Dennoch bleibt die Unsicherheit: Das höchste Gericht könnte bereits am Donnerstag eine endgültige Entscheidung fällen. Bis dahin bereiten sich Abtreibungsanbieter und große Abtreibungsfonds auf mögliche weitere Restriktionen vor.
Viele setzen auf eine Misoprostol-Monotherapie, die zwar ähnlich wirksam ist, aber stärkere Nebenwirkungen haben kann. „Telemedizinische Anbieter werden nicht verschwinden“, betont April Lockley, medizinische Direktorin der Miscarriage + Abortion Hotline. „Trotz aller rechtlichen Unsicherheiten bleiben wir für Betroffene da.“
In-Klinik-Verschreibungen bleiben möglich
Mifepriston kann weiterhin in Kliniken vor Ort verschrieben werden. Seit dem Urteil vom 1. Mai verzeichnen Anbieter wie Plan C, eine Kampagne für den Zugang zu Abtreibungspillen, einen deutlichen Anstieg der Bestellungen. „Wir empfehlen Patientinnen seit Jahren, Pillen im Voraus zu besorgen“, erklärt Elisa Wells, Mitgründerin von Plan C. „Jeder Angriff auf den Zugang zu Abtreibungen soll Angst, Verwirrung und Chaos schüren.“
Viele Anbieter berichten, dass Medienberichte über das Urteil bei Betroffenen den Eindruck erweckten, als sei jede medikamentöse Abtreibung nun verboten. „Es ist wichtig, klarzustellen: Abtreibungen sind nach wie vor legal“, sagt Jeyifo. „Wir müssen die Menschen beruhigen und über ihre Rechte aufklären.“
Alternative Methoden gewinnen an Bedeutung
Falls Mifepriston weiter eingeschränkt wird, könnten viele Kliniken auf Misoprostol allein setzen. Studien zeigen, dass diese Methode zwar wirksam ist, aber häufiger zu stärkeren Blutungen und Krämpfen führt. Dennoch betonen Experten, dass sie eine wichtige Option bleibt.
„Wir bereiten uns auf alle Szenarien vor“, erklärt eine Sprecherin des National Abortion Federation. „Unser Ziel ist es, Betroffenen weiterhin sichere und legale Abtreibungen zu ermöglichen – egal unter welchen Bedingungen.“
Ausblick: Supreme Court entscheidet über endgültige Regelung
Die kommenden Tage werden entscheidend sein. Sollte der Supreme Court die Einschränkungen bestätigen, könnten Abtreibungsanbieter gezwungen sein, ihre gesamten Abläufe umzustellen. Bis dahin setzen viele auf Vorratskäufe, Aufklärungskampagnen und die Stärkung von Telemedizin-Alternativen.
„Die rechtliche Lage bleibt unberechenbar“, sagt Wells. „Doch eines ist klar: Die Nachfrage nach sicheren Abtreibungsmethoden wird nicht verschwinden.“