Ein Rivian-Besitzer in Alaska steht vor einem massiven Problem: Für seinen 2024er R1T benötigt er dringend Garantieleistungen. Doch die nächste autorisierte Werkstatt befindet sich in Seattle – über 3.000 Kilometer entfernt. Die Logistik für den Transport des Elektrofahrzeugs gestaltet sich jedoch als fast unlösbare Herausforderung.

Kommerzielle Binnenschiffe verweigern seit einem Brandvorfall im vergangenen Sommer den Transport von Elektrofahrzeugen aus Alaska. Auch Passagierfähren nehmen E-Autos nur in extrem begrenzten Mengen mit. Selbst wer bereit ist, mehrere tausend Dollar für den Transport zu zahlen, muss mit Wartezeiten von Monaten rechnen. Die wenigen verfügbaren Slots sind oft schon Monate im Voraus ausgebucht.

Ein betroffener Rivian-Fahrer äußerte sich verständlicherweise frustriert darüber, dass er die ihm zustehenden Garantieleistungen nicht in Anspruch nehmen kann. Eine kurze Recherche auf Reddit zeigt, dass zwar einige Servicearbeiten in Alaska durch mobile Techniker oder autorisierte Drittanbieter durchgeführt werden, doch der Weg nach Seattle bleibt für viele eine enorme Hürde.

Rivian verspricht zwar „kostenlosen Notfallschleppdienst, um das nicht fahrbereite Fahrzeug zum nächsten autorisierten Rivian-Servicecenter oder an einen vereinbarten Ort für Garantiearbeiten zu transportieren“. Doch die Bedingungen sind streng – und die große Entfernung zu einer Werkstatt scheint ein Ausschlusskriterium zu sein.

Positiv zu vermerken ist, dass der Rivian-Besitzer, der dieses Problem bei uns meldete, optimistisch ist, dass das Unternehmen eine Lösung finden wird. Der Kundenservice in Seattle scheint bemüht, den Alaskern zu helfen. Dennoch bleibt die Situation ein logistisches Puzzle mit vielen teuren Bausteinen.

Überlandtransporte sind in Alaska ohnehin kaum praktikabel. Selbst in Regionen mit Straßenanschluss wie Juneau sind die Entfernungen enorm. Der Transport eines nicht fahrbereiten E-Autos über Kanada kostet schnell über 5.000 US-Dollar. Der Grund: Lithium-Ionen-Batterien gelten als Gefahrgut der Klasse 9. Nach den Vorschriften von Transport Canada und dem US-Verkehrsministerium (49 CFR) müssen Fahrzeuge mit „potenziell beschädigten“ oder „defekten“ Batterien mit speziellen Sicherheitsvorkehrungen transportiert werden – ähnlich wie beim Transport von Gefahrgut.

Wir haben Rivians Kommunikationsabteilung kontaktiert, um nach möglichen Lösungen zu fragen. Sollten wir eine offizielle Stellungnahme erhalten, werden wir diese umgehend aktualisieren.

Dieses Problem ist nicht allein Rivians Verschulden, doch es wirft kein gutes Licht auf ein Fahrzeug, das als robustes Abenteuerauto beworben wird. Gleichzeitig zeigt eine aktuelle Erhebung der „Alaska Rivian Collective“-Facebookgruppe, dass in Alaska lediglich 80 Rivian-Fahrzeuge registriert sind. Einerseits könnte diese geringe Zahl die Expansion eines flächendeckenden Servicenetzwerks erschweren. Andererseits könnte Rivian aufgrund der kleinen, aber engagierten Nutzergruppe eher bereit sein, Ausnahmen von den Standardrichtlinien zu machen – selbst wenn dafür Spezialwerkzeuge oder autorisierte Techniker aus Seattle anreisen müssten.

Quelle: The Drive