Der Sneaker-Hersteller Allbirds, bekannt für seine nachhaltigen Schuhe, hat mit einer überraschenden Ankündigung für Aufsehen gesorgt: Das Unternehmen will sich als KI-Infrastruktur-Spezialist neu erfinden und firmiert nun unter dem Namen "NewBird AI". Diese Nachricht löste zunächst euphorische Reaktionen aus – die Aktie schoss am Mittwoch um über 700 Prozent in die Höhe.

Von der Schuhmarke zur KI-Hoffnung?

Doch der Höhenflug war nur von kurzer Dauer. Bereits am Donnerstag brach die Aktie um 35 Prozent ein. Die Euphorie wich Ernüchterung, als Investoren realisierten, dass ein angeschlagener Schuhhersteller kaum eine milliardenschwere Branche mit KI-Chips retten kann. Kritiker sprechen bereits von einer neuen Spekulationsblase im KI-Bereich, in der fundamentale Unternehmensdaten ignoriert werden.

Experten warnen vor überzogener Euphorie

Adam Sarhan, CEO von 50 Park Investments, kommentiert die Entwicklung mit deutlichen Worten:

"Das fühlt sich an wie eine Meme-Aktie, bei der Emotionen die Logik verdrängen. Dass der Markt gestern überhaupt auf diese Aktie reagiert hat, obwohl sie keinerlei echten KI-Vorteil bietet, zeigt, wie sehr die KI-Spekulation bereits aufgebläht ist."

Er ergänzt:

"Zwischen dem Risiko eines massiven Rückschlags und einem Short Squeeze sehe ich keinen Grund, in diese Aktie zu investieren. Meistens endet das in Tränen."

Ein Short Squeeze bezeichnet einen rasanten Kursanstieg, der durch das Rückkaufen von Leerverkäufern ausgelöst wird – nicht durch fundamentale Unternehmenswerte.

Parallelen zu früheren Hype-Zyklen

Die Entwicklung erinnert an frühere Fälle, in denen Unternehmen durch bloße Ankündigungen von Blockchain- oder Krypto-Pivots Investoren in die Irre führten. Ein bekanntes Beispiel ist die Long Island Iced Tea Corp, die 2017 ihren Namen in "Long Blockchain Corp" änderte und damit eine Kursrallye auslöste. Doch die Realität holte das Unternehmen ein: 2021 wurde die Aktie delisted, und die SEC warf dem Unternehmen vor, nie wirklich in Blockchain-Technologie investiert zu haben.

Auch Allbirds könnte sich auf den reinen Hype verlassen. Mark Malek, CIO von Siebert Financial, warnt:

"Der Markt bewertet kein Risiko, sondern eine Erzählung. Er bewertet das Wort 'KI' genauso, wie er einst das Wort 'Blockchain' bewertete."

Fazit: Nachhaltigkeit statt KI-Hype?

Während Allbirds einst für nachhaltige Sneaker stand, wirft die aktuelle Entwicklung Fragen auf. Kann ein Unternehmen, das kürzlich noch seine geistigen Eigentumsrechte für 39 Millionen Dollar verkaufte, wirklich eine KI-Revolution anführen? Die Antwort scheint klar – zumindest für die Börse.

Quelle: Futurism