Silvana Toska, Politikwissenschaftsprofessorin aus Davidson, North Carolina, spürte im Herbst vergangenen Jahres einen Stich am Knöchel, während sie mit ihren Töchtern im Park spielte. „Es fühlte sich an wie ein Mückenstich – nichts Ernstes“, sagte sie. Doch dann begann sie am ganzen Körper zu jucken. Als sie im Dunkeln nichts mehr erkennen konnte, leuchtete ihr Mann mit dem Handy auf ihr Gesicht – sie war übersät mit Quaddeln. Zusätzlich spürte sie einen Druck auf der Brust.
Die Familie suchte umgehend eine Notfallpraxis auf. Der dortige Arzt diagnostizierte einen anaphylaktischen Schock, eine lebensbedrohliche allergische Reaktion. Ohne sie anzumelden, brachte er sie sofort in einen Behandlungsraum, maß ihren Blutdruck – der war niedrig – und verabreichte ihr zwei Adrenalin-Spritzen sowie Infusionen. Der Juckreiz und das Engegefühl in der Brust verschwanden. Der Arzt bestand jedoch darauf, dass sie zur Sicherheit mindestens zwei Stunden in einer Notaufnahme überwacht werden müsse.
Toska wurde mit dem Krankenwagen ins nahegelegene Atrium Health Lake Norman gebracht. Dort lag sie etwa 90 Minuten auf einer Trage. Ein Arzt, den sie als „sehr nett“ beschrieb, sprach nur kurz mit ihr. Eine Krankenschwester verabreichte ihr über die bereits gelegten Infusionszugang ein Medikament. Erschöpft, aber besorgt um ihre Kinder, versuchte Toska, sich mit ihnen abzulenken. „Meine beiden kleinen Mädchen hatten Angst, also spielte ich mit ihnen und versuchte, sie zu beruhigen“, berichtete sie. Nach etwa eineinhalb Stunden durfte die Familie nach Hause gehen. „Das war’s. In der Notaufnahme passierte nichts weiter“, sagte Toska.
Doch dann kam die Rechnung.
Die medizinische Behandlung
Laut Toska überprüfte der Notaufnahme-Arzt ihre Vitalwerte und besprach mit ihr die allergische Reaktion sowie mögliche Warnsignale für zu Hause. Zudem erhielt sie eine Dosis Famotidin – ein Medikament, das normalerweise bei Magenverstimmungen eingesetzt wird, aber auch bei allergischen Reaktionen Anwendung findet.
Die horrende Rechnung
Das Krankenhaus berechnete ihrer Krankenkasse, Blue Cross Blue Shield of North Carolina, für den Notaufnahmebesuch insgesamt 6.746,50 Dollar. Davon entfielen 20,60 Dollar auf das Famotidin und 6.445,60 Dollar auf „Intensivpflege“. Da Toska ihre Selbstbeteiligung noch nicht erreicht hatte, musste sie selbst 150 Dollar zuzahlen sowie 3.100,24 Dollar der Gesamtkosten tragen.
Das Problem mit der Abrechnung
„Für buchstäblich eineinhalb Stunden im Wartebereich mit meinen Kindern zu sitzen und dafür 3.100 Dollar zu zahlen, ist einfach unglaublich“, sagte Toska. In den USA nutzen medizinische Anbieter einheitliche Abrechnungscodes, die oft zu extrem hohen Kosten führen – selbst bei minimalem Behandlungsaufwand.
Experten kritisieren seit langem, dass solche „Critical Care“-Gebühren in Notaufnahmen häufig überteuert sind. Selbst wenn Patienten nur kurz überwacht werden, können diese Positionen zu astronomischen Rechnungen führen. Toskas Fall zeigt, wie schnell sich selbst harmlose allergische Reaktionen zu einem teuren Erlebnis entwickeln können – und das trotz einer Krankenversicherung.