Bitcoin scheitert erneut an der psychologisch wichtigen Marke von 80.000 Dollar. Der Grund: Die jüngste Entscheidung der US-Notenbank Fed und die damit verbundenen Inflationsaussagen von Fed-Chef Jerome Powell dämpfen die Stimmung unter Investoren. Die Federal Reserve beließ den Leitzins im Zielkorridor von 3,5 % bis 3,75 % und verknüpfte die anhaltend hohe Inflation direkt mit den gestiegenen globalen Energiepreisen. Besonders die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten gelten als Unsicherheitsfaktor für die wirtschaftliche Entwicklung.
Powell betonte in seiner Pressekonferenz, dass die persönlichen Konsumausgaben (PCE) im März bei 3,5 % lagen – die Kerninflation (ohne Energie und Nahrungsmittel) bei 3,2 %. Höhere Ölpreise könnten die Inflation in den kommenden Monaten weiter anheizen. Zudem offenbarte die Fed eine bisher nicht dagewesene Spaltung: Acht Mitglieder votierten für die Beibehaltung des aktuellen Zinsniveaus, während ein Mitglied eine Zinssenkung forderte. Drei weitere Fed-Mitglieder lehnten sogar die im Statement enthaltene Andeutung einer möglichen Lockerungspolitik ab. Diese interne Uneinigkeit zeigt, wie schwer sich die Notenbank mit einer dovishen Wende tut.
Für Bitcoin bedeutet dies: Ein zinsfreundlicherer Kurs der Fed ist kurzfristig kaum zu erwarten. Obwohl die Summary of Economic Projections aus dem März noch einen Median-Zins von 3,4 % für 2026 vorhersagt – was einer Zinssenkung in diesem Jahr entspräche –, haben Terminmarktteilnehmer ihre Erwartungen deutlich nach unten korrigiert. Aktuell sehen sie kaum Chancen auf eine Zinssenkung bis Jahresende. Einige Händler rechnen sogar mit einer möglichen Zinserhöhung innerhalb der nächsten zwölf Monate.
Ölpreis als Inflationstreiber
Die Inflationsprobleme der Fed haben einen klaren externen Ursprung: den Ölpreis. Brent-Rohöl notierte im März 2026 durchschnittlich bei 103 Dollar pro Barrel. Die U.S. Energy Information Administration (EIA) prognostiziert einen Anstieg auf bis zu 115 Dollar im zweiten Quartal, gefolgt von einem Rückgang auf unter 90 Dollar im vierten Quartal. Die Inflation wird dabei von zwei Seiten angetrieben: Zum einen treiben höhere Energiepreise die PCE-Inflation nach oben, zum anderen wirken sich die anhaltenden Zollwirkungen auf die Preise von Industriegütern aus.
Diese zweifache Belastung erschwert es der Fed, den Ölpreisschock zu ignorieren. Die Notenbank muss zunächst sicherstellen, dass die höheren Energiepreise nicht zu einer dauerhaften Erwartung steigender Inflation führen, bevor sie eine Zinssenkung rechtfertigen kann. Doch bereits jetzt steigen die kurzfristigen Inflationserwartungen – wie Powell selbst einräumte. Für Bitcoin bedeutet dies: Die makroökonomischen Rahmenbedingungen bieten kaum Anreize, das aktuelle Angebot in der Nähe der 80.000-Dollar-Marke zu absorbieren.
Bitcoin steckt in der Widerstandszone fest
Laut dem aktuellen Bericht von Glassnode liegt der entscheidende Widerstand für Bitcoin bei der True Market Mean – etwa 78.000 Dollar. Gleichzeitig entspricht die Kostenbasis kurzfristiger Halter (Short-Term Holder Cost Basis) rund 79.000 Dollar. Beide Niveaus bilden eine dichte Angebotszone zwischen 78.000 und 80.000 Dollar, die Bitcoin bereits getestet und abgelehnt hat.
Glassnode beschreibt dieses Muster als klassische Struktur einer Bärenmarkt-Rallye: Der Preis steigt in den Break-even-Bereich der jüngsten Käufer, diese verkaufen ihre Bestände bei steigenden Kursen, und die nachrückende Nachfrage reicht nicht aus, um das Angebot aufzufangen. Mit einem aktuellen Kurs von rund 75.900 Dollar bleibt Bitcoin unter dieser Widerstandsbarriere und in einer engen Handelsspanne gefangen.