Ein Mann, der Geschichte schrieb – allein
Am 21. Juli 1969 blickte die Welt auf Neil Armstrong und Buzz Aldrin, die als erste Menschen den Mond betraten. Doch während die beiden mit dem berühmten „ein kleiner Schritt für einen Menschen“ Geschichte schrieben, blieb Michael Collins allein in der Kommandokapsel Columbia zurück. Sein Schicksal: Er umkreiste den Mond – und war damit der einsamste Mensch im Universum.
Als die Eagle-Landefähre hinter dem Mond verschwand, brach der Funkkontakt zu Collins komplett ab. Für etwa 48 Minuten war er vollständig isoliert – ohne Verbindung zur Erde, zu seinen Kollegen oder zur Außenwelt. In dieser Zeit hörte er nicht Armstrongs historische Worte, sondern erlebte eine absolute Stille auf der Rückseite des Mondes. Doch Collins fühlte sich keineswegs einsam. Im Gegenteil: Er beschrieb die Situation später als „euphorisch“ und als Moment der absoluten Freiheit.
„Ich hatte dieses wunderschöne kleine Reich. Es gehörte nur mir. Ich war der Kaiser, der Kapitän – und es war recht geräumig. Sogar warmer Kaffee war dabei.“
– Michael Collins, 2019 im Gespräch mit der New York Times
Kaffee aus dem Beutel und ein VW Käfer als Statussymbol
Collins‘ Komfort in der Isolation war begrenzt, aber er machte das Beste daraus. Sein „Kaffee“ kam aus einem Plastikbeutel – „schlecht, aber wenigstens lauwarm und vertraut“, wie er in seiner Autobiografie Carrying the Fire schrieb. Doch der Astronaut hatte noch ein anderes kleines Stück Heimat dabei: einen VW Käfer.
Eine Woche vor dem Start der Apollo-11-Mission posierte Collins mit einer Tasse Kaffee in der Hand – und seinem treuen VW Käfer im Hintergrund. Das Foto, das er Jahre später auf Facebook teilte, wurde zum Symbol für seine bescheidene, aber charakterstarke Persönlichkeit. Während seine Kollegen Neil Armstrong und Buzz Aldrin mit Corvettes und Sting Rays protzten, setzte Collins auf ein Auto, das eher an Bodenständigkeit erinnerte.
Warum ein Käfer? Ein Gegenentwurf zu den „Space-Helden“
Die Apollo-11-Crew verkörperte den amerikanischen Traum der 1960er: Abenteurer, Testpiloten, Macher. Armstrong und Aldrin waren ehemalige Kampfpiloten, die mit ihren Sportwagen prahlten. Armstrong fuhr einen Marina Blue Sting Ray, Aldrin einen schwarzen Corvette Sting Ray. Geschichten wie die von Gus Grissom, der seinen Corvette so modifizierte, dass er damit im Wüstensand schneller war als sein Kollege, unterstrichen das Image der „heißen Hunde“ der Raumfahrt.
Collins hingegen? Er wählte den VW Käfer – ein Auto, das für Bescheidenheit und Zuverlässigkeit stand. War er der „coole Kopf“ im Team, der sich nicht von der Hysterie der Medien mitreißen ließ? Oder einfach nur ein Mann, der Wert auf das Wesentliche legte? Sein Käfer war kein Statussymbol, sondern ein praktisches Fortbewegungsmittel – genau wie seine Rolle in der Mission.
Ein Vermächtnis jenseits der Schlagzeilen
Michael Collins starb 2021 im Alter von 90 Jahren, doch sein Erbe bleibt. Während Armstrong und Aldrin zu Legenden wurden, geriet Collins oft in den Schatten. Dabei war er ebenso entscheidend für den Erfolg der Apollo-11-Mission: Ohne ihn, der die Columbia steuerte und die Rückkehr zur Erde sicherte, wäre die Landung auf dem Mond nicht möglich gewesen.
Sein VW Käfer hingegen wurde zum Symbol für eine andere Art von Heldentum: nicht das des lauten Triumphs, sondern das der stillen Professionalität. Ein Mann, der im Hintergrund blieb – und doch unersetzlich war.
Fakten zur Apollo-11-Mission und Michael Collins
- Rollenverteilung: Collins blieb in der Kommandokapsel, Armstrong und Aldrin landeten auf dem Mond.
- Isolationsphase: Während der Eagle hinter dem Mond verschwand, hatte Collins 48 Minuten lang keinen Funkkontakt.
- Auto-Kultur der Astronauten: Armstrong und Aldrin fuhren Sportwagen, Collins setzte auf einen VW Käfer.
- Collins‘ Zitat: „Ich war nicht einsam. Ich war der glücklichste Mensch im Universum.“
- Tod: Michael Collins starb am 28. April 2021 an Krebs.