Seit fünf Jahren häufen sich die Beschwerden über den Satelliteninternetdienst Starlink der Firma SpaceX. Laut internen Dokumenten der US-Regulierungsbehörde Federal Communications Commission (FCC) wurden in diesem Zeitraum mehr als 900 Klagen eingereicht, die sich direkt auf das Unternehmen oder seinen Dienst beziehen. Die Unterlagen, die Fast Company durch eine öffentliche Anfrage erhalten hat, geben Einblicke in die wachsenden Herausforderungen des Dienstes.

Starlink hat sich in ländlichen Regionen der USA zunehmend als lebenswichtige Internetverbindung etabliert. Doch die Beschwerden zeigen auch wiederkehrende Probleme, die Kunden frustrieren: unzuverlässige Geschwindigkeiten, unzureichende Kundenservice-Leistungen und lange Wartezeiten bei der Hardware-Lieferung.

Die FCC dient als zentrale Anlaufstelle für Verbraucherbeschwerden gegen Telekommunikationsanbieter. Eingereichte Klagen können zu offiziellen Untersuchungen führen. Einige Nutzer fordern gezielt andere auf, sich ebenfalls zu beschweren, um den Druck auf Regulierungsbehörden zu erhöhen.

Staatliche Förderung trotz Kritik

Gleichzeitig bereiten mehrere US-Bundesstaaten die Vergabe von hunderten Millionen Dollar an Subventionen an SpaceX vor. Ziel ist die Ausweitung des Starlink-Netzes in Regionen mit schlechter Internetversorgung. Statt auf aufwendige Glasfaserleitungen setzt das Unternehmen auf seine Satellitenkonstellation und eine direkte Verbindung über Haushaltsantennen.

SpaceX steht kurz vor einem historischen Börsengang und plant zudem bedeutende Upgrades für Starlink. Dazu gehören neue Satelliten, eine nächste Generation von Gateway-Stationen sowie eine erweiterte Direkt-zu-Mobilfunk-Abdeckung. Doch die eingereichten Beschwerden deuten darauf hin, dass das Unternehmen in der Vergangenheit Kunden mit unzureichendem Support verärgert hat.

Automatisierte Antworten und monatelange Wartezeiten

Auf der offiziellen Starlink-Kundenservice-Seite werden verschiedene Kontaktmöglichkeiten angeboten: Telefonnummern, ein Kontaktformular sowie die Option, über die Starlink-App ein Ticket zu erstellen oder den KI-Chatbot Grok (entwickelt von xAI, ebenfalls ein Musk-Unternehmen) zu nutzen. Doch viele Nutzer berichten von automatisierten, unbrauchbaren Antworten und extrem langen Wartezeiten auf eine echte Unterstützung. Einige beschreiben, dass sie überhaupt nicht telefonisch erreichbar seien.

Häufige Kritikpunkte sind:

  • „Extrem langsame Geschwindigkeiten“ oder „nicht die versprochene Leistung“
  • Probleme mit der Rechnungsstellung oder Preiserhöhungen
  • Schwierigkeiten bei der Installation der Hardware
  • Lange Wartezeiten auf Lieferungen, insbesondere für Hardware

Ein besonders häufiger Vorwurf betrifft die Priorisierung internationaler Lieferungen. Mehrere Beschwerden weisen darauf hin, dass Starlink Terminals nach der russischen Invasion in die Ukraine 2022 zuerst dorthin geliefert wurden, während Kunden in den USA monatelang auf ihre Bestellungen warteten. Ein Nutzer schrieb:

„Sie behaupteten, Inflation und Chipmangel seien der Grund für die Verzögerungen – doch gleichzeitig wurden Tausende Terminals nach Ukraine verschickt.“

Christopher Mitchell, Direktor des Community Broadband Networks am Institute for Local Self-Reliance, fasst die Situation zusammen:

„Starlink bietet einen bemerkenswerten Internetzugang, aber der Kundenservice ist sehr schlecht. Wenn man in der Lage ist, die Technik selbst einzurichten und Fehler zu beheben, funktioniert es gut.“

Zukunftspläne und regulatorischer Druck

Trotz der anhaltenden Kritik setzt SpaceX auf weiteres Wachstum. Neben der geplanten Börsennotierung und technischen Verbesserungen steht das Unternehmen vor der Herausforderung, den Kundenservice zu verbessern. Die eingereichten Beschwerden könnten dabei eine entscheidende Rolle spielen – sowohl für die FCC als auch für potenzielle Investoren.

Die Dokumente zeigen, dass Starlink zwar eine wichtige Lösung für unversorgte Regionen darstellt, aber gleichzeitig die Erwartungen vieler Nutzer nicht erfüllt. Ob die geplanten Upgrades und die staatliche Förderung die Lage verbessern, bleibt abzuwarten.