Die FIFA wird mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 voraussichtlich elf Milliarden Dollar Gewinn erwirtschaften – doch die Gastgeberstädte in den USA, Mexiko und Kanada tragen die Hauptlast der Kosten. Städte wie Houston und Dallas müssen Hunderte Millionen Dollar für Sicherheit, Stadionumbauten und Fanfeste aufbringen, während sie kaum direkte Einnahmen erhalten. Selbst die Einnahmen aus Ticketverkäufen, Merchandising oder Parkgebühren fließen nicht in die kommunalen Kassen.

Einseitige Verträge belasten Kommunen

Die Bedingungen für die Austragung wurden bereits 2017 in den Bewerbungsunterlagen festgelegt – und sie sind einseitig zugunsten der FIFA ausgelegt. So müssen die Städte nicht nur die Sicherheitskosten für die Spiele tragen, sondern auch die Anpassung der Stadien an die FIFA-Vorgaben finanzieren. Ursprünglich sollten sie zudem den Transport der FIFA-Offiziellen zu den Spielen übernehmen, doch diese Pflicht wurde inzwischen gestrichen. Dennoch bleiben die Kosten für die Kommunen enorm.

Ein zentrales Problem: Die Gastgeberstädte erhalten keine Anteile an den Tageseinnahmen. Weder aus Ticketverkäufen noch aus dem Verkauf von Speisen und Getränken oder Parkgebühren profitieren sie direkt. Selbst die Vermarktung von Logen oder Sponsorenverträge war in diesem Jahr stark eingeschränkt – eine übliche Einnahmequelle für lokale Organisatoren.

Vergleich zur WM 1994: Damals profitierten Städte noch

Alan Rothenberg, Mitglied des Los-Angeles-Organisationskomitees für 2026 und ehemaliger Präsident von U.S. Soccer, verweist auf einen entscheidenden Unterschied zur WM 1994: Damals erhielten Gastgeberstädte einen Anteil an den lokalen Einnahmen, etwa aus dem Verkauf von Speisen und Getränken. Zudem übernahm U.S. Soccer die Sicherheitskosten und andere Organisationsausgaben. Das machte die Austragung für die Städte wirtschaftlich attraktiv. Heute sind die Verträge so einseitig, dass sich mindestens eine Stadt, Chicago, während der Bewerbungsphase zurückzog.

Sicherheitskosten treiben Städte in die Bredouille

Die finanziellen Belastungen werden für viele Kommunen immer deutlicher. In Foxborough, Massachusetts, drohten lokale Behörden im Februar, die Genehmigungen für die WM-Spiele zu verweigern, falls die FIFA oder die Besitzer des New England Patriots nicht im Voraus 7,8 Millionen Dollar für die Sicherheit aufbringen würden. Letztlich einigte man sich darauf, dass die lokalen Organisatoren die Kosten vorstrecken – ein weiteres Beispiel für die einseitige Kostenverteilung.

Experten warnen, dass viele Städte am Ende mit hohen Defiziten dastehen könnten. Ähnlich wie beim Super Bowl 2017 in Texas, wo eine staatliche Analyse ergab, dass die Steuerzahler trotz Millioneninvestitionen ein Defizit von 14 Millionen Dollar trugen, könnten auch die WM-Gastgeber finanziell leer ausgehen. Die FIFA profitiert indes von den hohen Einnahmen, während die Kommunen das Risiko tragen.

Transparenz bleibt ein Problem

Ein weiteres Hindernis: Viele Verträge zwischen der FIFA und den Gastgeberstädten bleiben geheim. Erst nach öffentlichem Druck wurden einige Details bekannt. Kritiker wie Rothenberg fordern mehr Transparenz und faire Bedingungen für die Städte. „Jeder hat einen Vertrag unterzeichnet, der extrem einseitig war“, so Rothenberg.

Mit dem Turnierbeginn im Juni und Juli rückt die Frage in den Fokus, ob die Städte ihre Investitionen jemals refinanzieren können. Während die FIFA Milliarden scheffelt, bleiben die lokalen Steuerzahler mit den Kosten zurück – ein Modell, das zunehmend in der Kritik steht.

Quelle: ProPublica