Der US-Autokonzern Ford hat im ersten Quartal 2026 ein finanziell starkes Quartal vorgelegt – doch ein ungewöhnlicher Posten von $1,3 Milliarden wirft einen Schatten auf die Bilanz. Die Rückerstattung entstand durch die Aufhebung illegaler US-Regierungstarife, die den Konzern jahrelang belastet hatten.
Trotz eines Rückgangs der US-Verkäufe um 8,8 % auf 457.315 Fahrzeuge konnte Ford seine Umsätze um 6 % auf $43,3 Milliarden steigern. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) lag bei $3,5 Milliarden, während der Nettogewinn $2,5 Milliarden betrug.
Ein zentraler Faktor für das positive Ergebnis war der einmalige „IEEPA-Tarifvorteil“ in Höhe von $1,3 Milliarden. Dieser resultiert aus der Aufhebung von Zöllen, die unter der Regierung Trump verhängt wurden und Ford massiv belasteten. Ohne diesen Sondereffekt wäre die Bilanz weniger strahlend ausgefallen.
Neben der finanziellen Entlastung profitierte Ford von einer starken Cash-Position von $22 Milliarden. Aktionäre erhalten am 1. Juni eine Dividende von 15 Cent pro Aktie. Die Aktie notiert aktuell bei rund $12.
Model e: Verluste sinken, aber Elektroauto-Sparte bleibt defizitär
Die Elektroauto-Division Ford Model e konnte ihre Verluste im Vergleich zum Vorjahresquartal leicht reduzieren: Statt $849 Millionen wurden nur noch $777 Millionen Verlust verbucht. Dennoch bleibt die Sparte ein finanzieller Belastungsfaktor, auch wenn die Verluste langsamer wachsen.
Ford Blue glänzt mit Verbrennern – F-Series leidet unter Lieferengpässen
Im Gegensatz dazu erwirtschaftete die Ford Blue-Sparte mit Verbrennermodellen wie dem Bronco, Explorer und Expedition einen Gewinn von über $1,9 Milliarden. Die F-Series, traditionell Fords umsatzstärkstes Modell, verzeichnete jedoch einen Rückgang der Verkäufe um 16 %. Ursache sind anhaltende Lieferprobleme bei einem Aluminiumlieferanten, die durch Brände in der Produktion ausgelöst wurden.
Ausblick für 2026: Höhere Gewinnerwartungen, aber Risiken bleiben
Ford erhöhte seine Prognose für das Geschäftsjahr 2026 und erwartet nun einen bereinigten EBIT von $8,5 bis $10,5 Milliarden (bisher: $8,0 bis $10,0 Milliarden). Zudem wird ein freier Cashflow von $5,0 bis $6,0 Milliarden und Investitionen in Höhe von $9,5 bis $10,5 Milliarden erwartet. Ein Teil der Mittel fließt in das neue Segment Ford Energy ($1,5 Milliarden).
Doch der Konzern warnt vor externen Risiken: Die Prognose berücksichtigt keine anhaltenden Konflikte im Nahen Osten oder eine mögliche Rezession in den USA. Beide Szenarien könnten die Lieferketten weiter belasten und die Nachfrage dämpfen – insbesondere bei Kraftstoffpreisen, die bereits stark gestiegen sind.
Kostensenkungen und Modelloffensive als Zukunftsstrategie
Trotz der Herausforderungen setzt Ford auf Effizienzsteigerungen: Im vergangenen Jahr wurden $1,5 Milliarden an Material- und Garantiekosten eingespart. Für 2026 plant der Konzern weitere $1 Milliarde an Einsparungen. Zudem sollen bis 2029 80 % des nordamerikanischen Portfolios erneuert werden – darunter ein neuer F-150, die Super-Duty-Variante der F-Series sowie ein viel diskutierter mittlerer Elektro-Pickup.
Fazit: Fords Quartalszahlen zeigen eine stabile operative Leistung, doch der $1,3-Milliarden-Bonus wirft Fragen nach der Nachhaltigkeit auf. Während die Verbrenner-Sparte profitiert, kämpft die Elektroauto-Division weiterhin mit Verlusten. Die Zukunft hängt davon ab, ob es Ford gelingt, die Lieferketten zu stabilisieren und die Elektrooffensive erfolgreich umzusetzen.