GameStop hat ein überraschendes Übernahmeangebot für den Online-Marktplatz eBay in Höhe von 55,5 Milliarden Dollar vorgelegt. Das Angebot könnte dem Spielehändler nicht nur eine deutlich größere E-Commerce-Plattform bescheren, sondern auch die Chance eröffnen, Bitcoin als Zahlungsmittel für Verbraucher zu etablieren – über reine Unternehmensreserven hinaus.

Am 4. Mai unterbreitete GameStop ein Bar- und Aktienangebot in Höhe von 125 Dollar pro eBay-Aktie, was den Gesamtwert des Deals auf etwa 55,5 Milliarden Dollar taxiert. Die Offerte setzt sich zu gleichen Teilen aus Bargeld und GameStop-Aktien zusammen. Aktionäre erhalten dabei Wahlrechte und eine anteilige Zuteilung. Laut GameStop entspricht das Angebot einem Aufschlag von 27 % gegenüber dem 30-Tage-Durchschnittspreis von eBay und 36 % gegenüber dem 90-Tage-Durchschnitt.

Das Unternehmen hat bereits eine wirtschaftliche Beteiligung von 5 % an eBay aufgebaut, sowohl durch Derivate als auch durch direkten Aktienbesitz.

Ein ungewöhnlicher Deal mit hohem Risiko

Die geplante Übernahme wäre sowohl in ihrer Größe als auch in ihrer Struktur ungewöhnlich: GameStop, deutlich kleiner als eBay, versucht, einen mehr als dreimal so großen Konkurrenten zu übernehmen. Die Finanzierung soll durch eine Mischung aus Eigenkapital, Barmitteln und Fremdfinanzierung erfolgen. GameStop erklärte, dass der Bargeldanteil aus der Bilanz (9,4 Milliarden Dollar per 31. Januar) sowie durch Drittfinanzierung gedeckt werde. Die Investmentbank TD Securities habe zudem eine „hochgradig zuversichtliche“ Finanzierungszusage für bis zu 20 Milliarden Dollar erteilt.

Trotzdem bleibt der Deal abhängig vom Aktienkurs von GameStop, zusätzlicher Finanzierung und der Zustimmung der eBay-Aktionäre. Nach Bekanntgabe des Angebots fielen die GameStop-Aktien, während eBay-Aktien stiegen – ein Zeichen für Skepsis der Investoren, ob GameStop die Transaktion überhaupt stemmen kann.

eBay prüft das Angebot – keine Gespräche zuvor

eBay teilte mit, dass Vorstand und Finanzberater das unerwartete Angebot prüfen würden. Bisher habe es keine Verhandlungen zwischen den Unternehmen gegeben. Die Bewertung des Angebots konzentriere sich auf den Nutzen für eBay-Aktionäre, insbesondere auf den Wert der GameStop-Aktien und die Fähigkeit, ein verbindliches Angebot vorzulegen. eBay riet Aktionären, vorerst keine Entscheidungen zu treffen, bis der Vorstand eine finale Einschätzung abgegeben habe.

Warum GameStop eBay übernehmen will

GameStop begründet das Übernahmeangebot mit dem Potenzial, eBays Ertragskraft unter der Führung von Ryan Cohen deutlich zu steigern. Durch Kostensenkungen, bessere Integration des Einzelhandels und eine stärkere Fokussierung auf Sammlerstücke, Authentifizierung und Live-Commerce soll eBay profitabler werden. Innerhalb von 12 Monaten nach Abschluss der Übernahme strebt GameStop jährliche Kosteneinsparungen von 2 Milliarden Dollar an. Davon entfallen 1,2 Milliarden auf Marketing, 300 Millionen auf Produktentwicklung und 500 Millionen auf Verwaltung.

GameStop verweist darauf, dass eBay im Geschäftsjahr 2025 rund 2,4 Milliarden Dollar in Marketing investierte, aber nur etwa eine Million neue aktive Käufer gewann. Zudem stiegen die Produktentwicklungskosten um 11 %, während der Umsatz nur um 8 % wuchs. Diese Zahlen sollen belegen, dass eBay seine Ausgaben ohne negative Auswirkungen auf das Geschäft reduzieren kann.