In den frühen Tagen des Automobils, als sich die Welt von Pferdekutschen zu motorisierten Fahrzeugen wandelte, schmückten Hersteller ihre Wagen mit Messing. Diese Epoche, bekannt als die "Messing-Ära", dauerte von etwa 1896 bis 1915. Damals bestanden Scheinwerfer, Kühler, Hupe und zahlreiche Verzierungen aus dem glänzenden Kupfer-Zink-Gemisch. Später verdrängten Nickel, Aluminium, Edelstahl, Chrom und schließlich Kunststoffe das Messing – bis zwei Unternehmer die Idee hatten, den Werkstoff zurück in die automobile Welt zu bringen.
Herman Steinkraus, damaliger Chef der Bridgeport Brass Company, und Thomas Passek von der Copper Development Association trieben die Rückkehr von Kupfer und Bronze in der Fahrzeugproduktion voran. Der wirtschaftliche Einbruch der Metallindustrie in den 1960er-Jahren – nach dem Boom der Kriegsproduktion – könnte diese Initiative beschleunigt haben. Das Ergebnis ihrer Bemühungen ist der Exemplar 1, ein einzigartiger Buick Riviera aus dem Jahr 1967, der nun für 228.000 Dollar bei einer Auktion in Auburn versteigert wurde.
Technik und Design: Ein Kupfer-Meisterwerk
Der Exemplar 1 basiert zwar auf einem Buick Riviera Gran Sport von 1967, doch technisch und optisch ist er ein Unikat. Der 430 Kubikzoll (7,0 Liter) große V8-Motor mit 360 PS und 475 lb-ft Drehmoment wurde mit Kupferkomponenten aufgewertet: Kupferventildeckel, ein kupferner Luftfilter und Kupferrohre zieren den Motorraum. Zudem verfügt das Fahrzeug über zwei Kupferkühler – einer kühlt den Motor, der andere die Klimaanlage. Der Ersatzreifen und seine Abdeckung sind ebenfalls mit Kupfer verkleidet.
Doch nicht nur die Technik, sondern auch das Design hebt den Exemplar 1 von anderen Fahrzeugen ab. Der italienische Designer Mario Revelli di Beaumont, einer der produktivsten, aber unbekannteren Autodesigner seiner Zeit, entwarf eine langgestreckte, schnittige Coupé-Karosserie. Gebaut wurde das Fahrzeug bei Carrozzeria Coggiola in Turin. Das Ergebnis ist ein Fahrzeug mit 16-Zoll-Borrani-Drahtspeichenrädern, die mit Messing verkleidet sind und kupferne Radmuttern tragen. Die Bremsen bestehen aus Kupferscheiben, die von Kupferleitungen versorgt werden.
An der Front prangt ein bronzenes Kühlergitter, das in bronzenen Scheinwerferabdeckungen mündet. Bronzene Stoßfänger und Schwellern sowie ein bronzener Zierstreifen an der Gürtellinie unterstreichen den exklusiven Look. Große Messingjalousien schützen das hintere Fenster, das von einer bronzenen Heckscheibenrahmenleiste umrahmt wird.
Luxuriöses Interieur mit Metallakzenten
Im Inneren dominiert rotes Leder, kombiniert mit gelben Metallakzenten. Der kupferne Mitteltunnel und die Mittelkonsole, ein kupfernes Instrumentenpanel mit zwei Ebenen sowie ein Nardi-Lenkrad mit Holzrand und kupfernen Speichen prägen das Interieur. Laut einem Bericht der Chicago Tribune enthielt der Wagen bei seiner Fertigstellung über 70 Kilogramm Kupfer.
Seine Premiere feierte der Exemplar 1 1968 auf der New York Auto Show, wo er das Publikum begeisterte – ein Anblick, den man seit einem halben Jahrhundert nicht mehr gesehen hatte. Trotz seines spektakulären Auftritts blieb der Wagen ein Einzelstück. Heute gilt er als eines der außergewöhnlichsten Sammlerfahrzeuge der 1960er-Jahre und unterstreicht den visionären Ansatz seiner Schöpfer, die Geschichte des Automobils mit moderner Technik zu verbinden.