Tokio hat erneut massiv in den Devisenmarkt eingegriffen, um den Yen zu stützen. Laut Berichten kaufte die japanische Regierung rund 35 Milliarden Dollar an Yen, wodurch der Dollar gegenüber dem Yen um fast 3% auf 155,50 fiel. Daten des Geldmarkts der Bank of Japan (BoJ) bestätigen die Größenordnung dieser Maßnahme. Sobald das Finanzministerium die Zahlen offiziell bestätigt, wäre dies die erste offizielle Yen-Stützungsaktion Japans seit fast zwei Jahren – und die zweitgrößte in der Geschichte.
Die BoJ geht in ihrer Prognose vom April von einer Inflationsrate (ohne frische Lebensmittel) zwischen 2,5% und 3,0% im Geschäftsjahr 2026 aus. Ökonomen erwarten, dass die Inflation wieder anziehen wird, da steigende Ölpreise und die Yen-Schwäche die Importkosten in die Höhe treiben. Rund 95% des japanischen Rohöls passieren die Straße von Hormuz, und die BoJ geht in ihrem Basisszenario davon aus, dass der Dubai-Rohölpreis langfristig zwischen 70 und 80 Dollar pro Barrel liegen wird – ohne größere Versorgungsstörungen.
Die politische Toleranz Japans gegenüber importierter Inflation hat jedoch Grenzen. Diese wurden in dieser Woche überschritten: Der Wechselkurs USD/JPY erreichte am 29. April mit 160,70 einen Höchststand, bevor die Intervention den Kurs auf 155,50 drückte. Einen Tag zuvor hatte die BoJ ihren Leitzins bei 0,75% belassen, wobei drei Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses für eine Erhöhung auf 1,0% stimmten. Die US-Notenbank Fed hielt ihren Leitzins am selben Tag unverändert bei 3,50% bis 3,75%.
Diese Zinsdifferenz von etwa 275 bis 300 Basispunkten ist der Hauptgrund für die anhaltende Attraktivität von Yen-Carry-Trades. Da die japanischen Zinsen im globalen Vergleich extrem niedrig bleiben, nutzen Investoren die günstigen Kreditkosten, um in höherverzinsliche US-Anlagen zu investieren. Eine reine Intervention ohne Zinsangleichung kann jedoch nur Zeit kaufen – die strukturellen Probleme bleiben bestehen.
Wann kommt die nächste Zinserhöhung der BoJ?
Laut einer Reuters-Umfrage vom 16. April erwarten 65% der befragten Ökonomen, dass die BoJ bis Ende Juni 2026 den Leitzins auf 1,0% anheben wird. Weitere Erhöhungen sind demnach bis 2027 geplant. Die Frage ist, ob diese Maßnahmen ausreichen, um den Yen nachhaltig zu stärken und die Carry-Trades zu reduzieren.
Warum der Yen ein globales Problem ist
Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) aus ihrer Triennial Survey 2025 zeigen, dass der Yen einen Anteil von 16,8% aller Devisengeschäfte weltweit ausmacht. Eine Studie der BIZ aus dem August 2024 schätzte, dass Yen-finanzierte Carry-Trades vor ihrem jüngsten Abbau ein Volumen von etwa 250 Milliarden Dollar hatten. Die UBS geht sogar von einem Gesamtvolumen von rund 500 Milliarden Dollar aus – wobei zum Zeitpunkt der Studie erst etwa die Hälfte aufgelöst worden war.
Ein Arbeitspapier der BoJ weist darauf hin, dass die Yen-Verbindlichkeiten vor allem von Hedgefonds und Finanzintermediären gehalten werden, die in Vermögenswerte investiert sind, die weit von den japanischen Märkten entfernt sind. Daten der US-Commodity Futures Trading Commission (CFTC) vom 21. April zeigen, dass spekulative Fonds an der CME in Yen-Futures 80.220 Long-Positionen und 148.717 Short-Positionen hielten. Die Brutto-Short-Positionen stiegen in der Vorwoche um über 16.000 Kontrakte. Wenn der Yen plötzlich an Stärke gewinnt, müssen diese Short-Positionen gedeckt werden – was zu Verkäufen der finanzierten Vermögenswerte führt.
Die Zinslücke zwischen Japan und den USA bleibt das Kernproblem
| Kennzahl | Bank of Japan | Federal Reserve | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| Leitzins | 0,75% | 3,50%–3,75% | Die große Differenz macht Yen-Finanzierungen günstig und US-Anlagen attraktiv. |
| Letzte Zinsentscheidung | 28. April 2026 | 29. April 2026 | Zeigt, dass die Zinslücke aktuell besteht. |
| Kurzfristige Zinsdifferenz | – | – | Rund 275–300 Basispunkte – der Haupttreiber für Yen-Carry-Trades. |
| Zinspolitische Ausrichtung | Drei Mitglieder des BoJ-Rats stimmten für eine Erhöhung auf 1,0% | Keine Änderung | Suggeriert, dass die BoJ unter politischem Druck steht, die Zinsen zu erhöhen. |
Die aktuelle Intervention Japans zeigt, dass die Regierung versucht, die Folgen der schwachen Währung einzudämmen. Doch ohne eine nachhaltige Zinswende bleibt der Yen anfällig für weitere Schwächephasen – mit potenziell globalen Auswirkungen auf Finanzmärkte und Carry-Trades.