Jeff Bezos besitzt die Washington Post und ist gemeinsam mit seiner Frau Lauren Sanchez ehrenamtlicher Co-Vorsitzender des diesjährigen Met Gala am Montagabend. Doch während die Zeitung Bezos im vergangenen Jahr rund 100 Millionen US-Dollar Verluste einbrachte – was zu Entlassungen von einem Drittel der Redaktion führte – kostet ihn seine Rolle beim Met Gala ebenfalls Millionen.
Die Teilnahme als Co-Vorsitzender belastet Bezos Schätzungen zufolge mit 10 bis 20 Millionen US-Dollar. Hinzu kommen weitere Ausgaben wie die monatlichen Millionenbeträge, die Sanchez reportedly für ihre Garderobe ausgibt, um bei Anna Wintour, der Organisatorin des Gala-Balls, ernst genommen zu werden. Insgesamt summieren sich Bezos’ Kosten für den Met Gala auf etwa 30 Millionen US-Dollar.
Sowohl die Washington Post als auch der Met Gala mögen auf den ersten Blick wie philanthropische Projekte wirken. Doch Bezos sieht das anders: „Das ist kein philanthropisches Unterfangen. Für mich ist eine gesunde Zeitung mit einer unabhängigen Redaktion selbsttragend.“
Die Washington Post erfüllt diese Bedingung derzeit nicht – und wird es laut Bezos auch nie tun. Im Gegensatz dazu finanziert der Met Gala das Costume Institute des Metropolitan Museum of Art, das 33.000 Mode- und Accessoire-Exponate aus sechs Jahrhunderten beherbergt. Doch während das Costume Institute seit 2016 einen Teil der Gala-Einnahmen in einen Stiftungsfonds investiert, der die Grundkosten deckt, kämpft die Washington Post mit strukturellen Problemen.
Laut einem Bericht der New York Times von Anfang Mai hat das Costume Institute durch die Met Gala in den letzten zehn Jahren 166,5 Millionen US-Dollar eingenommen. Bei jährlichen Betriebskosten von 5 Millionen US-Dollar – also 50 Millionen in einem Jahrzehnt – verbleiben nach Abzug der Kosten bereits 116 Millionen US-Dollar im Stiftungsfonds. Bei einer durchschnittlichen Ausschüttungsquote von 5 Prozent wären das jährlich 5,8 Millionen US-Dollar. Die Zeitung schätzt, dass noch zwei weitere Met Galas nötig wären, um den Fonds aufzustocken. Doch selbst das erscheint übertrieben: Der Gala-Ball ist längst überflüssig.
Trotzdem ist eine Abschaffung des Met Gala undenkbar. Der gesellschaftliche Druck, insbesondere aus der New Yorker und Hollywood-Elite, ist zu groß. Daher ein Vorschlag: Warum nicht die Met Gala in eine Spendenaktion für die Washington Post umwandeln? Die finanziellen Mittel wären vorhanden – und der Journalismus würde davon profitieren.