Die kalifornische Gouverneurwahl entwickelt sich zu einem der unberechenbarsten Rennen des Landes. In einer aktuellen Diskussion analysierte der Journalist Perry Bacon von The New Republic mit David Dayen, Chefredakteur des Magazins The American Prospect, die Dynamik des Wahlkampfs – und wie Donald Trumps Eingreifen die politische Landschaft verändert.
Das Top-Two-System: Ein Spiel mit ungewissem Ausgang
Kalifornien wählt seinen Gouverneur nach einem ungewöhnlichen System: der Top-Two-Primary. Dabei stehen alle Kandidaten – unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit – auf einem einzigen Stimmzettel. Die beiden mit den meisten Stimmen ziehen in die Hauptwahl ein, selbst wenn sie derselben Partei angehören.
Diese Regelung führte in der Vergangenheit oft dazu, dass zwei Demokraten oder zwei Republikaner in der Stichwahl standen, obwohl die Mehrheit der Wähler eine andere Partei bevorzugte. Dayen erklärt:
„Die Sorge war, dass zwei republikanische Kandidaten jeweils etwa 17 bis 18 Prozent der Stimmen erhalten könnten – selbst wenn 65 Prozent der Wähler Demokraten sind. Dann hätten die Demokraten keine Chance, einen ihrer acht Kandidaten in die Stichwahl zu bringen.“
Trumps Intervention: Ein strategischer Schachzug
Doch dann kam Donald Trump ins Spiel. Durch seine Unterstützung für einen der beiden republikanischen Kandidaten, Brian Dahle, verschob sich die Dynamik. Plötzlich war die Befürchtung, dass zwei Republikaner die Vorwahl dominieren könnten, weniger akut.
Bacon: „Trump hat das Problem quasi gelöst, indem er sich für einen Kandidaten entschied.“ Dayen ergänzt: „Das zeigt, wie sehr externe Faktoren – wie die Unterstützung einer prominenten Persönlichkeit – den Wahlausgang beeinflussen können.“
Die Kandidaten: Wer steht zur Wahl?
Auf dem Stimmzettel stehen insgesamt 62 Kandidaten, darunter:
- Demokraten: Gavin Newsom (Amtsinhaber), Alex Padilla (Senator), Eleni Kounalakis (Vizegouverneurin) und weitere Kandidaten aus dem progressiven und moderaten Lager.
- Republikaner: Brian Dahle (von Trump unterstützt), Kevin Faulconer (ehemaliger Bürgermeister von San Diego) und weitere Bewerber.
- Unabhängige: Kandidaten ohne Parteizugehörigkeit, darunter auch einige weniger bekannte Namen.
Die Vorwahl findet am 7. Juni 2024 statt. Die Stichwahl zwischen den beiden Bestplatzierten ist für den 5. November 2024 geplant.
Die Folgen: Demokraten in der Defensive
Trotz der traditionellen Dominanz der Demokraten in Kalifornien ist das Rennen nun offen. Dayen warnt:
„Selbst wenn die Demokraten die Mehrheit der Stimmen erhalten, könnte das Top-Two-System dazu führen, dass zwei Republikaner in die Stichwahl kommen. Das wäre ein historischer Präzedenzfall.“
Experten sehen darin eine Gefahr für die demokratische Agenda in einem der politisch wichtigsten Bundesstaaten der USA. Kalifornien ist nicht nur bevölkerungsreich, sondern auch ein wirtschaftliches und kulturelles Zentrum – mit Auswirkungen auf die nationale Politik.
Fazit: Ein Rennen, das alle überraschen könnte
Die kalifornische Gouverneurwahl ist ein Beispiel dafür, wie unberechenbar Politik sein kann. Durch Trumps Unterstützung, das Top-Two-System und eine ungewöhnlich hohe Kandidatenanzahl könnte das Rennen am Ende ganz anders ausgehen als erwartet. Eines ist sicher: Die Wähler in Kalifornien werden in den kommenden Monaten eine Entscheidung treffen, die weit über die Grenzen des Bundesstaates hinauswirkt.