Die anfängliche Euphorie um KI-generierte Texte scheint verflogen. Seit dem Launch von ChatGPT im November 2022 verbreiteten sich maschinell verfasste Artikel rasant im Netz. Doch nun zeigt eine aktuelle Analyse des Digitalmarketing-Unternehmens Graphite, dass der Anteil von KI-Texten seit über einem Jahr bei etwa 50 % stagniert.
Keine Übernahme durch KI – zumindest noch nicht
Laut Graphite entfielen auf KI-generierte Inhalte wie Nachrichtenartikel, Blogbeiträge und Listen in den letzten 12 Monaten durchschnittlich rund die Hälfte aller neu veröffentlichten Texte. Ein Wert, der sich seit Anfang 2025 kaum verändert hat. Damit hat sich die Befürchtung, dass KI die menschliche Texterstellung im Internet verdrängen könnte, vorerst nicht bestätigt.
Warum die Stagnation kein Grund zur Entwarnung ist
Forscher warnen jedoch vor einem möglichen Teufelskreis: Wenn KI-Modelle zunehmend mit maschinell erzeugten Inhalten trainiert werden, könnte dies die Qualität zukünftiger KI-Texte weiter verschlechtern. Dan Klein, Professor an der UC Berkeley und CTO eines KI-Modells, erklärt gegenüber Axios:
"Diese Modelle sind nur so gut, weil wir ihnen unzählige Informationen zur Verfügung stellen, die ohne sie entstanden sind. Wenn wir aufhören, unabhängig von diesen Modellen Wissen zu schaffen, was soll sie dann noch antreiben?"
Die Entwicklung in Zahlen
Nach dem Start von ChatGPT im November 2022 stieg der Anteil KI-generierter Artikel zunächst rasant an:
- Innerhalb eines Jahres (bis Ende 2023) machten sie 35,9 % aller neuen Online-Artikel aus.
- Bis Anfang 2025 stieg der Anteil auf 48 %. Seitdem verharrt er bei etwa 50 %.
Für die Analyse untersuchte Graphite 55.400 englischsprachige URLs aus dem Common Crawl-Archiv – einer großen öffentlichen Web-Datenbank, die häufig für KI-Forschung und Trainingsdaten genutzt wird. Die ausgewählten Seiten waren mindestens 100 Wörter lang, zwischen Januar 2020 und März 2026 veröffentlicht und als Artikel oder Listen klassifiziert. Anschließend wurden sie mit den KI-Detektoren Pangram, GPTZero und Copyleaks überprüft.
Die Grenzen der KI-Erkennung
Die Einordnung von KI-generierten Texten bleibt jedoch schwierig. Viele Artikel entstehen heute durch eine Mischung aus menschlicher und maschineller Arbeit – etwa wenn KI zum Entwerfen, Überarbeiten oder Optimieren genutzt wird. Graphite klassifiziert einen Text nur dann als primär KI-generiert, wenn der überwiegende Teil als maschinell geschrieben oder unterstützt eingestuft wird.
Die Qualität KI-generierter Inhalte steigt jedoch rapide. In vielen Fällen sind sie für Leser kaum noch von menschlichen Texten zu unterscheiden. Die Graphite-Analyse kommt zu dem Schluss:
"Die Qualität von KI-Inhalten verbessert sich rasant. In vielen Fällen sind KI-generierte Texte genauso gut oder sogar besser als menschlich verfasste Inhalte. Für Nutzer ist es oft schwer zu erkennen, ob ein Text von einer KI stammt."
Fazit: KI schreibt mit – aber nicht allein
Die Daten zeigen: KI hat die Texterstellung im Internet nachhaltig verändert. Doch die anfängliche Befürchtung, dass Maschinen menschliche Autoren vollständig ersetzen könnten, scheint vorerst unbegründet. Stattdessen deutet sich ein Gleichgewicht an – zumindest für den Moment. Die Herausforderung bleibt jedoch, die Qualität und Unabhängigkeit von Inhalten zu bewahren, um einen möglichen Qualitätsverlust in der KI-Entwicklung zu verhindern.