Die Ermittlungen im größten Betrugsfall der US-amerikanischen Medicare-Advantage-Versicherungen nehmen eine überraschende Wendung: Die Staatsanwaltschaft wirft dem Gesundheitskonzern Elevance Health vor, den Zugang zu einem entscheidenden Zeugen zu blockieren. Dabei handelt es sich um Peter Haytaian, den ehemaligen Leiter der Medicare-Advantage-Sparte des Unternehmens.
In einem Schreiben an einen Bundesrichter erklärte das US-Justizministerium (DOJ) diese Woche, dass Elevance Health die geplante Zeugenvernehmung von Haytaian verhindere. Der Konzern hatte Haytaians überraschenden Rücktritt nur wenige Tage nach dem ersten Antrag des DOJ auf seine Vernehmung bekannt gegeben.
Die Auseinandersetzung unterstreicht die Brisanz des Verfahrens, das das DOJ bereits 2020 eingeleitet hatte. Im Fokus stehen die milliardenschweren Privatversicherungen für Senioren, die im vergangenen Jahr allein bei Elevance Health ein Umsatzvolumen von über 40 Milliarden US-Dollar erreichten.
Die Kontroverse wirft grundsätzliche Fragen zur Transparenz und Compliance in der Branche auf. Medicare-Advantage-Pläne stehen seit Jahren unter verschärfter Beobachtung, nachdem Vorwürfe von systematischen Überzahlungen und Betrugsmustern laut wurden. Die aktuellen Ermittlungen könnten weitreichende Konsequenzen für die gesamte Branche haben.
Elevance Health, zu dessen Marken auch Anthem Blue Cross Blue Shield gehört, hat bisher nicht öffentlich auf die Vorwürfe reagiert. Die Staatsanwaltschaft fordert nun eine gerichtliche Klärung, um den Zugang zu Haytaian zu erzwingen. Sollte das Gericht dem DOJ recht geben, könnte dies den Weg für weitere Ermittlungen und möglicherweise hohe Strafzahlungen ebnen.