Seit Jahren rätseln Krypto-Enthusiasten, wer sich hinter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto verbirgt – dem mysteriösen Erfinder von Bitcoin. Eine neue Dokumentation mit dem Titel „Finding Satoshi“, die nach vierjähriger Recherche veröffentlicht wurde, liefert nun eine überraschende These: Bitcoin wurde nicht von einer einzelnen Person, sondern von einem Duo entwickelt – Hal Finney und Len Sassaman, beide mittlerweile verstorben.

Warum diese These überzeugt

Der Autor und investigative Journalist William Cohan sowie der Privatdetektiv Tyler Maroney führten die Recherche durch. Ihr Ansatz war systematisch: Sie analysierten die bekanntesten Verdächtigen aus der Cypherpunk-Szene – darunter Adam Back, Nick Szabo, Hal Finney, Len Sassaman, Paul Le Roux und Wei Dai – mit Methoden wie Datenwissenschaft, linguistischer Analyse und Expertenbefragungen.

Besonders aufschlussreich war die Auswertung des digitalen Fußabdrucks von Satoshi Nakamoto. Alyssa Blackburn, Datenwissenschaftlerin am Baylor College of Medicine, untersuchte, wann Satoshi Posts veröffentlichte, wann er minte und wann er inaktiv war. Das Ergebnis: Nur Finney und Sassaman passten zu diesem Muster.

„Es ist undenkbar, dass Back, Szabo oder Dai Satoshi sein könnten“, erklärte Blackburn in der Dokumentation.

Hal Finney: Der clevere Programmierer hinter Bitcoin

„Finding Satoshi“ identifiziert Hal Finney als den kreativen Kopf hinter dem Bitcoin-Code. Finney war nicht nur der erste Empfänger einer Bitcoin-Transaktion von Satoshi selbst im Januar 2009, sondern hatte bereits Jahre zuvor mit Reusable Proof of Work (RPOW) eine Vorstufe von Bitcoin entwickelt. Interessanterweise wurde RPOW im Bitcoin-Whitepaper nicht erwähnt.

Ein mögliches Gegenargument: Finney war vor allem für seine Arbeit mit C bekannt, während Bitcoin in C++ programmiert wurde. Doch sein ehemaliger Chef bei PGP Corp, Will Price, widerspricht dieser Annahme:

„Hal war ein brillanter Ingenieur. Wer behauptet, er hätte Bitcoin nicht programmieren können, kennt ihn nicht.“

Len Sassaman: Der vergessene Mitstreiter

Auch Len Sassaman, ein bekannter Cypherpunk und Aktivist für digitale Privatsphäre, wird in der Dokumentation als möglicher Mitentwickler genannt. Sassaman starb 2011, doch seine Rolle in der frühen Bitcoin-Community bleibt umstritten. Seine Witwe, Meredith Patterson, wies 2024 Gerüchte zurück, ihr Mann sei Satoshi. Eine HBO-Dokumentation hatte zuvor sogar Peter Todd als möglichen Erfinder genannt – eine These, die Todd vehement bestritt.

In jüngster Zeit sorgte der investigative Journalist John Carreyrou, bekannt für die Aufdeckung des Theranos-Skandals, mit einer These für Aufsehen: Er vermutete, dass Adam Back der wahre Satoshi sei. Back, Erfinder von Hashcash, hat solche Behauptungen stets zurückgewiesen.

Kein rauchender Colt – aber eine plausible Theorie

Die Dokumentation liefert keine handfesten Beweise, sondern verbindet bestehende Puzzleteile neu. „Finding Satoshi“ verzichtet auf Spekulationen und konzentriert sich auf nachweisbare Fakten. Die These, dass Finney und Sassaman gemeinsam an Bitcoin arbeiteten, wirkt schlüssig – auch wenn definitive Gewissheit wohl nie erreicht wird.

Für Krypto-Experten bleibt Satoshi Nakamoto ein faszinierendes Rätsel. Doch diese Dokumentation bringt die Debatte einen entscheidenden Schritt weiter – und zeigt, dass die Wahrheit vielleicht näher liegt, als wir denken.

Quelle: DL News