Der Fall des ehemaligen NFL-Receivers Stefon Diggs bleibt weiterhin in der Prüfung durch die Liga. Ein Gericht sprach ihn am Dienstag von den Vorwürfen der Körperverletzung und Strangulation frei. Damit ist das strafrechtliche Verfahren abgeschlossen – nicht jedoch die Ermittlungen der NFL.
Ein Sprecher der Liga erklärte:
"Wir beobachten alle Entwicklungen in diesem Fall, der weiterhin gemäß der Personal Conduct Policy geprüft wird."
Die NFL arbeitet mit einem deutlich niedrigeren Beweismaßstab als die Justiz. Während ein Strafgericht eine Schuld jenseits eines vernünftigen Zweifels nachweisen muss, reicht für die Liga bereits ein überwiegender Verdacht, um Disziplinarmaßnahmen zu verhängen. Der Freispruch bedeutet daher nur, dass die Staatsanwaltschaft ihre Vorwürfe nicht ausreichend belegen konnte.
Trotz widersprüchlicher Aussagen der mutmaßlichen Geschädigten, Mila Adams, in anderen Punkten blieb ihre Schilderung des Vorfalls klar und unwidersprochen. Sollte Adams kooperieren, könnte die NFL sie erneut befragen und eine eigene Bewertung vornehmen – insbesondere zu ihrer Glaubwürdigkeit, die während der Vernehmung bereits angezweifelt wurde.
Diggs selbst übte sein Recht auf Aussageverweigerung aus und wird sich nicht selbst belasten. Sollte die NFL ihn jedoch befragen wollen, steht ihm dieses Recht nicht mehr zu. Die Liga kann ihn zur Aussage zwingen, da der Fünfte Zusatzartikel der US-Verfassung nur vor strafrechtlicher Selbstbelastung schützt – nicht vor internen Untersuchungen.
Der Freispruch beendet die juristische Aufarbeitung, nicht aber die mögliche sportrechtliche Konsequenz. Bereits 2022 sperrte die NFL den Quarterback Deshaun Watson für zehn Spiele, obwohl er in Texas nicht strafrechtlich verfolgt wurde. Die Liga behält sich vor, auch ohne strafrechtliche Verurteilung Maßnahmen zu ergreifen.
Kritiker bemängeln seit Langem die mangelnde Transparenz und Machtbefugnisse der NFL bei internen Ermittlungen. So verfügt die Liga über keine Vorladungsbefugnis und kann Zeugen nicht zwingen, auszusagen. Dennoch bleibt die NFL entschlossen, den Fall weiter zu prüfen – unabhängig vom Ausgang des Strafverfahrens.