Von Startup-Hype zur Milliardenpleite: OpenAI verliert an Boden
OpenAI plant für dieses Jahr einen Börsengang mit einer Bewertung von bis zu einer Billion Dollar – ein rasanter Aufstieg von nur 29 Milliarden Dollar im Januar 2023. Doch der Schein trügt: Innerhalb von nur dreieinhalb Jahren hat sich das einstige Vorzeigeunternehmen in eine Krisenregion verwandelt. Eine Reihe von Skandalen, gescheiterten Projekten und internen Turbulenzen wirft grundlegende Fragen über die Zukunft des von Sam Altman geführten Tech-Riesen auf.
Militärvertrag und PR-Desaster: OpenAI verliert an Glaubwürdigkeit
Den Anfang machte im Februar ein umstrittenes Geschäft mit dem US-Verteidigungsministerium. Während Konkurrent Anthropic aus ethischen Gründen absprang, unterzeichnete OpenAI einen lukrativen Vertrag – trotz Bedenken hinsichtlich Massenüberwachung und autonomen Waffensystemen. Altman räumte später ein, der Deal sei „opportunistisch und schlampig“ gewesen. Die Folgen waren verheerend: Die Nutzerzahlen von ChatGPT brachen ein, während Anthropic als moralisch überlegene Alternative galt. Gleichzeitig überholte das Modell von Anthropic bei Programmierern deutlich die Konkurrenz.
Sora-Fiasko: Ein Milliardendeal und ein abruptes Ende
Nur wenige Wochen später stoppte OpenAI sein Text-to-Video-Tool Sora – ein Projekt, das als „unheilige Abscheulichkeit“ galt und massenhaft urheberrechtlich geschützte Inhalte nutzte. Die Wall Street Journal berichtete, das Unternehmen habe dringend Rechenleistung für neue KI-Modelle benötigt. Noch peinlicher: Disney hatte erst im Dezember einen 1-Milliarden-Dollar-Vertrag für ein Sora-Projekt unterzeichnet. Laut Reuters erfuhren die Disney-Manager erst 30 Minuten vor der offiziellen Absage von der Schließung – ein Zeichen für das Chaos im Inneren.
Finanzchaos und Führungskräfte-Debakel
Während OpenAI öffentlich eine Werbeeinnahme von 100 Milliarden Dollar bis 2030 prognostiziert, sieht die Realität düster aus: Die Ausgaben übersteigen die Einnahmen bei Weitem. Selbst eine drastische Kürzung der ursprünglich geplanten Infrastrukturinvestitionen von 1,4 Billionen auf 600 Milliarden Dollar im Februar konnte die Misere nicht beheben. Zwei Top-Manager verließen das sinkende Schiff: Fidji Simo, zuständig für Anwendungen, geht aus gesundheitlichen Gründen in Elternzeit, während CMO Kate Rouch nach einer Krebsdiagnose zurücktritt.
„Ein Albtraum aus Inkompetenz und Chaos“
„OpenAI wirkt wie ein Unternehmen, das den Anschluss verloren hat – zwischen gescheiterten Projekten, internen Machtkämpfen und einer Führung, die zwischen Hybris und Hilflosigkeit schwankt.“
– Aus einem investigativen Bericht des „New Yorker“
Fazit: Kann OpenAI die Talfahrt stoppen?
Die Liste der Probleme ist lang: ethische Grauzonen, technische Rückschläge, finanzielle Engpässe und ein Führungsteam im Umbruch. Während Konkurrenten wie Anthropic und Mistral AI mit stabilen Modellen und klaren Visionen punkten, wirkt OpenAI zunehmend wie ein Getriebener. Ob der geplante Börsengang noch realistisch ist, bleibt fraglich – zumal die Bewertung von einer Billion Dollar angesichts der aktuellen Lage utopisch erscheint.
Eines ist klar: OpenAI steht an einem Scheideweg. Entweder gelingt eine radikale Kurskorrektur – oder das einstige KI-Wunderkind versinkt im Strudel seiner eigenen Fehler.