Der neuseeländische Regisseur Peter Jackson erhielt am Dienstag auf dem Cannes Film Festival den Ehren-Palme d’Or – eine Auszeichnung für sein Lebenswerk. Damit ist er einer der ersten Filmemacher, die diese Ehre ohne jemals einen Film im offiziellen Wettbewerb des Festivals gehabt zu haben, erhalten.
Bei einer öffentlichen Diskussion im Debussy-Theater gestand Jackson, dass ihn die Ehrung zutiefst bewegt habe. Besonders ironisch fand er den Zeitpunkt: Die Auszeichnung fiel auf den 25. Jahrestag des Kinostarts seines ersten „Herr der Ringe“-Films. Dessen Trilogie war nie im Wettbewerb vertreten, doch Jackson zeigte 2001 Ausschnitte aus den noch unveröffentlichten Filmen, um für das vermeintlich riskante Projekt zu werben.
„Die beiden Male, die ich in Cannes war, waren prägend“, sagte Jackson und erinnerte an die Präsentation der „Herr der Ringe“-Ausschnitte sowie an seinen ersten Film „Bad Taste“, den er 1988 auf dem Cannes-Markt vorstellte. Die Ehren-Palme empfand er als ebenso unwahrscheinlich wie einen Preis für Bauchtanz. „Ich mache keine Filme, die eine Palme d’Or verdienen“, betonte er. „Aber die Idee, eine Palme d’Or zu bekommen, ohne dafür einen Film drehen zu müssen, gefällt mir.“
Der Ehren-Palme d’Or wird für das Gesamtwerk eines Regisseurs vergeben und nicht für einen einzelnen Film. In diesem Jahrzehnt wurde die Auszeichnung bereits an Filmemacher wie Marco Bellocchio, George Lucas und Studio Ghibli sowie an Schauspieler wie Jodie Foster, Tom Cruise und Meryl Streep verliehen. Barbara Streisand erhält in diesem Jahr eine zweite Ehren-Palme bei der Abschlusszeremonie am 23. Mai.
Ein Hauch von Rebellion gegen den Dresscode
Jackson spielte auch mit dem Gedanken, den strengen Dresscode des Festivals auf die Schippe zu nehmen: „Ich hatte große Lust, einen Smoking mit Shorts zu tragen“, verriet er. Letztlich fehlte ihm dann aber der Mut für diesen Auftritt.
„Herr der Ringe“ und die Bedeutung von Cannes
Bei der Veranstaltung „Rendezvous mit Peter Jackson“ wurden Ausschnitte aus seinen Werken gezeigt, darunter „Heavenly Creatures“ mit einer jungen Kate Winslet. Jackson erinnerte sich schmunzelnd: „Ich habe Kate Winslet ihren ersten Filmkuss gegeben – da muss ich den Maßstab wohl hoch angesetzt haben.“
Zum „Herr der Ringe“-Franchise sagte Jackson, die damals geheimen Ausschnitte hätten entscheidend dazu beigetragen, das Publikum von der riskanten Trilogie zu überzeugen. Außerdem äußerte er sich zur geplanten „Herr der Ringe“-Serie „The Hunt for Gollum“ und schlug vor, dass nicht er, sondern Andy Serkis die Regie übernehmen sollte: „Andy kennt Gollum besser als jeder andere. Die spannendste Version wäre, wenn er den Film dreht.“
Jackson blickte auch auf seine Anfänge als Regisseur zurück und erzählte, wie er mit „Bad Taste“ seine Karriere startete – ein Film, der ihn nach Cannes führte und ihm erste Aufmerksamkeit verschaffte.