Ein hochumstrittenes Projekt für ein riesiges Datenzentrum in Virginia ist gescheitert. Die Firma Compass Datacenters, unterstützt von der Investmentgesellschaft Brookfield Asset Management, gab bekannt, ihre Pläne für einen 2.100 Hektar großen Datenzentrums-Komplex im Norden Virginias aufzugeben. Ursprünglich sollte auf über 800 Hektar ein Teil des Projekts entstehen – doch nach Jahren der Planung und Investitionen in Millionenhöhe zog sich das Unternehmen zurück.
Der Grund: massiver politischer und öffentlicher Widerstand. Besonders die Forderung nach Steuervergünstigungen für das Projekt stieß auf breite Ablehnung. Wie Bloomberg berichtet, sah sich die Firma mit „zu vielen Hindernissen“ konfrontiert, die das Vorhaben unrentabel machten. Der Fall zeigt, wie stark die Ablehnung von Datenzentren in den USA wächst – nicht nur wegen ihres hohen Energie- und Wasserverbrauchs, sondern auch wegen Bedenken hinsichtlich Arbeitsplatzverlusten durch KI-gestützte Software.
Datenzentren sind in den USA umstrittener als Windparks
Laut einer Umfrage von Heatmap Pro wächst die öffentliche Unzufriedenheit mit Serverfarmen rasant. Viele Bürger sehen sie als Belastung für Stromrechnungen und lokale Infrastruktur. Jael Holzman von Heatmap schrieb bereits im Herbst, dass Datenzentren mittlerweile „amerikanische Politik verschlingen“. Die Ablehnung sei so stark, dass sie sogar die Skepsis gegenüber Windkraft übertrifft.
Nuklear-Startups kämpfen um Fortschritte – doch nur vier erreichen Meilensteine
Während das Datenzentrums-Projekt in Virginia scheitert, gibt es in der US-Energiewirtschaft andere Entwicklungen: Vier Startups im Bereich Kernenergie haben einen wichtigen Meilenstein erreicht. Sie nehmen am Reaktor-Pilotprogramm des Energieministeriums teil und müssen bis zum 4. Juli ihre ersten Atome spalten. Doch nur vier Unternehmen haben bisher kommerzielle Abnehmer gesichert, Finanzierungen geklärt und Verträge mit Zulieferern und Baupartnern abgeschlossen. Das geht aus einem exklusiven Bericht der Denkfabrik Third Way hervor.
Angeführt wird die Liste von TerraPower, das in Kemmerer, Wyoming, den ersten Spatenstich für sein Kernkraftwerk setzte. Das Projekt hat bereits die fortgeschrittenste Genehmigungsantragsphase bei der Nuclear Regulatory Commission (NRC) erreicht. X-energy, unterstützt von Amazon, hat zwei Projekte, die alle drei Vorab-Meilensteine erfüllt haben. Holtec International und GE Vernova Hitachi Nuclear Energy folgen mit ihren kleinen modularen Reaktoren in Michigan und Tennessee – beide erhielten kürzlich jeweils 400 Millionen Dollar an Bundesmitteln.
Der Bericht warnt jedoch: Die US-Politik belohne oft „zu sehr Hype statt Marktreife“. Es brauche eine stärkere Fokussierung auf vielversprechende Technologien.
FEMA kämpft mit leerer Kasse – Hurrikan-Saison steht bevor
Parallel zu diesen Entwicklungen kämpft die Federal Emergency Management Agency (FEMA) mit finanziellen Engpässen. Wie CBS News berichtet, hat die Behörde die sogenannte „Imminent Needs Funding“-Phase erreicht – ein Warnsignal, das bedeutet, dass nur noch dringendste lebensrettende Ausgaben getätigt werden können. Ausgelöst wird diese Phase, wenn der Disaster Relief Fund unter drei Milliarden Dollar fällt.
Der Grund für die finanzielle Notlage liegt in der Teil-Schließung der übergeordneten Behörde, dem Department of Homeland Security, deren Haushalt seit Monaten blockiert ist. Die Situation verschärft sich, da die Hurrikan-Saison in den USA bevorsteht und FEMA dringend Mittel für Notfallmaßnahmen benötigt.