Eine Kundin aus Quebec kämpfte 16 Monate lang mit einem defekten Chevrolet Equinox EV. Ihr Fall zeigt, wie Quebecs neues Mängelgesetz trotz guter Absichten an praktischen Grenzen scheitert. Experten zufolge können Gerichtsverfahren für Verbraucher zwischen 15.000 und 50.000 Euro an Anwaltskosten verursachen – eine Hürde, die viele abschreckt.

Ein Auto voller Defekte

Natalina Recine kaufte im Dezember 2024 einen neuen Chevrolet Equinox EV. Doch schon drei Tage nach dem Kauf versagte die Batterie das Laden. Wochen vergingen, bis der Händler das Problem identifizierte und das Steuergerät des Fahrzeugs austauschte. Doch die Probleme endeten nicht dort:

  • Sensoren fielen wiederholt aus, ohne dass eine Lösung angeboten wurde.
  • Das Auto blieb auf der Autobahn bei 100 km/h plötzlich stehen.
  • Am Tag darauf kollidierte Recine mit einem anderen Fahrzeug – sie führt dies auf defekte Sensoren zurück.
  • Nach dem Unfall wartete sie einen Monat auf Ersatzteile.
  • Zwei weitere Reklamationen bei GM blieben ungelöst.
  • Zusätzliche Probleme: Internetausfall, defekte Scheibenwischer und eine Fehlermeldung, die eine offene Ladeklappe anzeigte, obwohl diese geschlossen war.

Recine wollte den Kauf rückgängig machen, doch selbst mit dem neuen Gesetz ist dies schwierig. Sie wurde darauf hingewiesen, dass sie in diesem Fall ihre staatliche Förderung verlieren würde.

Quebecs Mängelgesetz: Theorie vs. Praxis

Quebecs Verbraucherschutzgesetz, das Ende 2023 in Kraft trat, ist das erste seiner Art in Kanada. Es soll Käufern von Neufahrzeugen – ob Verbrenner, Hybrid oder Elektroauto – Rechtssicherheit bieten, wenn ihr Fahrzeug als „mangelhaft“ gilt. Das Gesetz definiert ein Auto als „Lemon“, wenn:

  • Ein Defekt nach drei Reparaturversuchen nicht behoben wurde, oder
  • 12 Versuche für verschiedene Probleme nötig waren, oder
  • Das Fahrzeug insgesamt 30 Tage oder länger in der Werkstatt war (ausgenommen Zeiten ohne verfügbare Ersatzteile).

Recines Fall fiel unter die zweite Kategorie. Doch selbst mit dieser klaren Definition scheiterte sie vor Gericht. George Iny, Präsident der Automobile Protection Association, erklärt warum: Hersteller und Händler haben Anwälte, Verbraucher nicht. „Der Kunde steht allein da“, sagt Iny. Die hohen Prozesskosten von 15.000 bis 50.000 Euro schrecken viele ab – und machen das Gesetz in der Praxis oft unwirksam.

„Das Gesetz klingt gut, aber ohne finanzielle Unterstützung oder kostenlose Rechtsberatung ist es für normale Verbraucher kaum durchsetzbar.“
George Iny, Automobile Protection Association

Fazit: Ein Gesetz mit guten Ansätzen – aber praktischen Schwächen

Quebecs Mängelgesetz ist ein wichtiger Schritt für Verbraucherrechte in Kanada. Doch wie Recines Fall zeigt, bleibt es in der Praxis oft ein zahnloser Tiger. Ohne bessere Unterstützung für Verbraucher bei Gerichtsverfahren oder niedrigschwellige Alternativen zur Streitbeilegung bleibt die Wirkung begrenzt. Experten fordern daher Nachbesserungen, um das Gesetz wirklich effektiv zu machen.

Quelle: CarScoops