Vor über 15 Jahren infizierte mich ein Virus – das Simca-Syndrom. Die Symptome sind unverkennbar: Man rettet einen rostigen Simca 1000 Bertone von einem Bauernhof in Nebraska. Doch alles begann 2009 mit einem Fund in Wisconsin.
Simcas sind in den USA eine Seltenheit. Dennoch gibt es eine lebendige Community von Liebhabern, die sich in Online-Foren und auf Facebook Marketplace tummeln. Dort werden vor allem stark korrodierte Modelle wie die Simca Aronde angeboten. Die Besitzer kennen sich aus – etwa mit dem aluminiumköpfigen Ford-Flathead-V8 im Simca Vedette oder dem Simca 1000, einem der bekanntesten Modelle dieser Marke. Deutlich seltener ist der Simca 1204, der von 1968 bis 1971 in den USA verkauft wurde. Ursprünglich als Konkurrent zum VW Käfer eingeführt, verschwand er schnell vom Markt, nachdem Chrysler stattdessen den robusteren Dodge Colt förderte.
Doch der Simca 1204 war seiner Zeit voraus: Mit Vorderradantrieb, einer weichen Torsionsstabfederung und einem praktischen Heckklappensystem mit umklappbaren Sitzen setzte er Maßstäbe. 2009, als ich ihn entdeckte, gab es kaum noch fahrbereite Exemplare in den USA. Alle sechs Monate tauchte vielleicht eines auf Craigslist auf – wenn überhaupt.
Die Entdeckung: Ein vergessener Schatz in Wisconsin
2009 hatte ich gerade meinen ersten richtigen Job nach dem Studium in Ann Arbor, Michigan, angetreten. In meiner Freizeit suchte ich nach ungewöhnlichen Projektwagen. Über eine Suchmaschine ließ ich mich automatisch über Angebote für Simcas, Peugeots, Citroëns, Holdens, Ladas, Moskvichs oder Hillmans informieren. Eines Tages stieß ich auf gleich drei Simca 1204 in nur acht Stunden Entfernung – in den Wisconsin Dells. Der Verkäufer versicherte mir, dass eines der Fahrzeuge fahrbereit sei. Und tatsächlich: Es lief wie am Schnürchen.
Sein Zustand war typisch für ein lang vergessenes Importfahrzeug aus dem Mittleren Westen: extrem niedrige Laufleistung (43.000 Meilen, wenn ich mich richtig erinnere), umfangreiche Amateur-Rostreparaturen und eine kreative Lösung für einen Heckaufprall – galvanisiertes Dachblech als Ersatz für die Schweller, überzogen mit Bondo. Danach landete das Auto in einer Scheune und wurde vergessen. Im Handschuhfach fand ich ein Angebot eines lokalen Dodge-Händlers: 75 Dollar Gutschrift für die Rückgabe des Wagens im Austausch gegen einen neuen Valiant.
Ich zögerte bei den 400 Dollar Preis. Mit leerem Anhänger fuhr ich Richtung Michigan zurück. Doch nach etwa einer halben Stunde hielt ich an. Ich dachte nach: über meine neue Heimat im Mittleren Westen, über das feste Gehalt. 400 Dollar waren für mich neu. Und hier waren alle Autos rostig. Sollte ich mich damit abfinden?
Die Antwort lautete: Nein. Ich drehte um und holte den Simca 1204. Ein Stück französischer Automobilgeschichte, das in den USA fast niemand kannte – und das ich heute als einen der fortschrittlichsten Kleinwagen seiner Zeit schätze.