SpaceX räumt ein: Orbitale KI-Datenzentren sind riskant und unausgereift

Elon Musk, CEO von SpaceX, galt lange als überzeugter Verfechter orbitaler KI-Datenzentren. Auf dem World Economic Forum in Davos bezeichnete er diese als „no-brainer“ und betonte, dass die ungehinderte Solarenergie im All die „kostengünstigste Lösung für KI“ sei – eine Einschätzung, die laut Musk „innerhalb von zwei, spätestens drei Jahren“ Realität werden sollte.

Doch nun zeigt sich: Selbst SpaceX ist nicht vollständig von der Machbarkeit überzeugt. In Auszügen aus einem internen Pre-IPO-Dokument, das Reuters einsehen konnte, räumt das Unternehmen ein, dass seine Pläne für orbitale KI-Rechenzentren sowie die Industrialisierung von Mond und Mars noch in den Kinderschuhen stecken. Zudem seien diese Vorhaben mit „erheblicher technischer Komplexität“ verbunden und könnten „keine kommerzielle Tragfähigkeit“ erreichen.

Technische und ökologische Bedenken

Kritiker äußern seit Langem Zweifel an Musks Vision. Allein die Idee, bis zu eine Million Satelliten – jeder größer als die Internationale Raumstation – in den Orbit zu schießen, wirft grundlegende Fragen auf:

  • Wirtschaftliche Machbarkeit: Die Kosten für Entwicklung, Start und Wartung einer solchen Infrastruktur wären astronomisch.
  • Umweltbelastung: Veraltete Hardware würde in der Erdatmosphäre verglühen und dabei ozonschädigende Chemikalien freisetzen.
  • Technische Risiken: KI-Chips im All verschleißen schneller, da sie extremen Bedingungen ausgesetzt sind – von kosmischer Strahlung bis zu Temperaturschwankungen.

SpaceX selbst bestätigt diese Bedenken in dem Dokument: „Die Initiativen zur Entwicklung orbitaler KI-Rechenleistung und industrieller Nutzung von Mond und Mars befinden sich noch in einer frühen Phase. Sie sind mit erheblicher technischer Komplexität und unbewiesenen Technologien verbunden und könnten scheitern.“

Abhängigkeit von Starship – ein unkalkulierbares Risiko

Ein zentraler Baustein von SpaceX‘ Plänen ist die Super Heavy-Rakete Starship. Doch bisher gelang es dem Unternehmen nicht, Starship erfolgreich zu starten und sicher zu landen. Frühere Testflüge endeten in spektakulären Explosionen.

Das Dokument warnt: „Jedes Versagen oder jede Verzögerung bei der Entwicklung von Starship in großem Maßstab oder bei der Erreichung der erforderlichen Startfrequenz, Wiederverwendbarkeit und Leistungsfähigkeit würde unsere Fähigkeit einschränken, unsere Wachstumsstrategie umzusetzen.“

Trotzdem könnte Starship – dank seiner enormen Größe und Nutzlastkapazität – die Kosten für Weltraumstarts theoretisch senken und die Menge an Hardware erhöhen, die ins All befördert wird. Doch ob dies ausreicht, um die orbitalen Datenzentren zu realisieren, bleibt fraglich.

SpaceX‘ IPO steht bevor – doch die Pläne werfen Fragen auf

Die Enthüllungen kommen zu einem kritischen Zeitpunkt: SpaceX bereitet sich auf einen der größten Börsengänge der Geschichte vor. Mit einer geplanten Bewertung von 1,75 Billionen US-Dollar soll das Unternehmen noch in diesem Jahr an die Börse gehen.

Doch während Musk seine gesamte Raumfahrtstrategie auf die orbitalen Datenzentren ausrichtet, bleiben grundlegende Fragen unbeantwortet: Sind die Pläne finanziell tragbar? Sind sie technisch umsetzbar? Und welche langfristigen Folgen hätte ein Scheitern?

Experten wie der Astrophysiker Jonathan McDowell vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics kommentiert die Situation mit deutlichen Worten:

„Die Idee klingt zunächst verlockend, aber die Realität sieht anders aus. Die Kosten, die technischen Herausforderungen und die ökologischen Risiken sind enorm. SpaceX unterschätzt die Komplexität massiv.“

Fazit: Musks Vision von orbitalen KI-Datenzentren ist zwar ambitioniert, doch die internen Dokumente zeigen, dass selbst SpaceX an der Umsetzbarkeit zweifelt. Ob die Technologie jemals Realität wird, bleibt offen – und hängt maßgeblich davon ab, ob Starship die in es gesetzten Erwartungen erfüllen kann.

Quelle: Futurism