Auf dem Spielplatz, zwischen zwei Müttern, die sich über Schlafmangel und Kita-Wartelisten austauschen, während die Kinder im Sandkasten buddeln. Der Austausch ist höflich, aber oberflächlich. Sobald die Kinder im Auto schlafen, ist das Gespräch vergessen. Doch was wirklich interessiert, sind andere Fragen: Was hat dich an der Geburt oder dem Wochenbett überrascht? Was wünschst du dir, dass dein Partner versteht? Wie hat die Mutterschaft eure Beziehung verändert?

Diese Themen vertiefen Freundschaften und ermöglichen es Müttern, voneinander zu lernen. Doch sie zu stellen, wirkt oft zu intensiv oder aufdringlich. Hier setzt Spread the Jelly an, eine Plattform für radikale Ehrlichkeit rund um die moderne Mutterschaft.

Neue Gesprächskarten für ehrliche Momente

Das Unternehmen hat kürzlich The Sticky Stuff veröffentlicht – ein Kartenset, das Mütter dabei unterstützt, schneller tiefgründige Gespräche zu führen. „Alles, was wir tun, soll Menschen öffnen – ob sie nun ihre chaotischsten oder glücklichsten Seiten zeigen“, erklärt Amrit Tietz, Mitgründerin von Spread the Jelly. Das Set kostet 45 US-Dollar und ist auf der Website des Unternehmens erhältlich.

Es reiht sich ein in eine wachsende Zahl von Gesprächskarten wie Esther Perels „Where Should We Begin?“ (seit 2021) oder Tales, das Gespräche mit Kindern fördert. Selbst Fast-Food-Ketten wie Chick-fil-A nutzen mittlerweile Karten, um Familien zu tieferen Gesprächen anzuregen.

Nicholas Epley, Professor an der University of Chicago Booth School of Business und seit zwei Jahrzehnten Gesprächsverhalten erforschend, bestätigt diesen Trend: „Die Beliebtheit solcher Karten zeigt, wie sehr wir uns nach echten, tiefgründigen Themen sehnen.“

Von der Not zur Mission

Die Idee zu Spread the Jelly entstand nicht aus Marktanalysen, sondern aus persönlicher Erfahrung. Als Amrit Tietz, damals hochschwanger und ohne lokale Mutterfreundschaften, Lauren Levinger über soziale Medien kontaktierte, begann eine ehrliche Unterhaltung. „Auf Social Media wirkt es oft, als würdest du Mutterschaft perfekt meistern“, schrieb Tietz. „Können wir uns treffen?“

Als sie sich Monate später trafen, waren beide überrascht, wie befreiend ein offenes Gespräch sein konnte. Sie sprachen über Themen, die sonst tabu sind: Einsamkeit mit einem nicht sprechenden Baby, Sexualität nach der Geburt oder die emotionale Erschöpfung des Alltags. „Wir haben gemerkt, wie sehr wir uns nach echter Gemeinschaft sehnten“, sagt Levinger.

Daraus entstand Spread the Jelly – zunächst als Online-Magazin für radikale Ehrlichkeit in der Mutterschaft. Die Gesprächskarten folgten als logische Erweiterung. Tietz und Levinger entwickelten ein Kartenset mit Fragen in vier Kategorien: Grundlagen, Identität, Zugehörigkeit und Intimität. Enthalten sind etwa Fragen wie: „Beschreibe deine Kindheit in drei Worten“ oder „Was vermisst du am meisten aus deinem Leben vor der Mutterschaft?“

Warum oberflächliche Gespräche nicht reichen

Laut Epley liegt der Reiz solcher Karten in ihrer Fähigkeit, psychologische Barrieren abzubauen. „Wir haben Angst, zu viel zu fragen oder zu viel von uns preiszugeben“, erklärt er. Gesprächskarten geben Struktur und Sicherheit – sie signalisieren: „Es ist okay, über diese Themen zu sprechen.“

Für Tietz und Levinger geht es dabei nicht nur um Unterhaltung, sondern um mentale Gesundheit. „Mütter brauchen Räume, in denen sie sich nicht verstellen müssen“, betont Levinger. Die Karten sollen Brücken bauen – zwischen Müttern, Partnern und sogar innerhalb der eigenen Familie.

Ob im Freundeskreis, beim Elternabend oder als Paarübung: Die Fragen fordern dazu auf, echte Emotionen zu teilen statt Smalltalk zu führen. Und das ist genau das, was viele sich wünschen – auch wenn es zunächst ungewohnt erscheint.