Trumps religiöse Provokationen spalten die evangelikale Basis
Donald Trump wird in die Geschichte möglicherweise als ein Präsident eingehen, der gegen fast alles kämpfte: Migration, Handel, Venezuela, Iran – und nun auch gegen Religion. Seine jüngste Attacke galt Papst Leo XIV., den er als "kriminell schwach" und "sehr liberal" bezeichnete, der angeblich dem radikalen linken Spektrum diene und sogar den Iran bei der Entwicklung von Atomwaffen unterstützen wolle.
Diese verbalen Angriffe auf den Vatikan folgten auf eine Reihe von Posts, die nicht nur Katholiken, sondern Christen aller Konfessionen provozierten. Dazu gehörten eine vulgäre Osterbotschaft über die iranische Führung, eine Drohung zur Vernichtung des iranischen Volkes und – besonders skandalös – ein KI-generiertes Bild, das Trump als Christus-ähnliche Figur bei einer Wunderheilung zeigte.
Noch brisanter war die Reaktion von Vizepräsident JD Vance, der Trumps Angriffe auf den Papst mit einer Predigt über moralische und spirituelle Autorität rechtfertigte. Vance hielt diese Rede bei einer Veranstaltung von Turning Point USA, einer stark politisierten, quasi-religiösen Organisation, die MAGA unterstützt. Der Ort der Veranstaltung? Eine evangelikale Megakirche – ein Symbol für die zunehmende Vermischung von Politik und Glauben.
Der Riss im evangelikalen Fundament
Diese Eskalation markiert einen tiefgreifenden Wandel in der sonst so geschlossenen konservativen christlichen Basis. Als Religionswissenschaftler analysiere ich, warum die MAGA-treue evangelikale Wählerschaft bröckelt – und warum dies Trump und seinen Anhängern die verlässliche Unterstützung entziehen könnte, auf die sie sich bisher verlassen haben.
Früher waren Evangelikale eine geschlossene Front für Trump. Doch heute streiten sie über Theologie – und beide Lager sind unzufrieden mit seinem respektlosen Verhalten. Ein Beispiel: 2020 posierte Trump mit einer Bibel vor der St. John’s Episcopal Church in Washington, nachdem dort friedliche Proteste gewaltsam aufgelöst worden waren. Ein symbolträchtiger Moment, der viele Gläubige verstörte.
Calvinisten vs. Arminianer: Der theologische Konflikt hinter der Spaltung
Um zu verstehen, wie es so weit kommen konnte, muss man die theologischen Gräben innerhalb des evangelikalen Lagers betrachten. Amerikanische Evangelikale lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen: die Reformierten (Calvinisten) und die Arminianer – benannt nach zwei prägenden Figuren der Reformation im 16. Jahrhundert.
John Calvin lehrte, dass Gott im Voraus bestimmt, wer in den Himmel kommt und wer nicht – und dass der Mensch darauf keinen Einfluss hat. Sein Gegenspieler, James Arminius, vertrat die Auffassung, dass jeder Mensch die Wahl hat, sich für oder gegen Erlösung zu entscheiden. Bis vor kurzem dominierten die Arminianer den amerikanischen Evangelikalismus. Sie führten die größten Kirchen, betrieben einflussreiche Missionen und prägten die populäre Frömmigkeit.
Doch in den letzten Jahren gewinnen die Calvinisten an Einfluss. Ihre Lehre von der göttlichen Vorherbestimmung passt besser zu einer politisch konservativen Agenda, die Betonung auf persönliche Verantwortung und göttliche Ordnung legt. Diese theologische Verschiebung spiegelt sich auch in der Politik wider: Während Arminianer oft sozial engagiert sind, neigen Calvinisten zu einer stärkeren Betonung von Autorität und Tradition – Werte, die Trump für sich instrumentalisiert.
"Die evangelikale Bewegung war schon immer politisch, aber nie so sehr wie unter Trump. Jetzt zeigt sich, dass dieser Bund brüchig wird – nicht nur wegen seiner Angriffe auf religiöse Führer, sondern weil sein Verhalten mit zentralen christlichen Werten unvereinbar ist."
Die Folgen für MAGA und die Zukunft der evangelikalen Politik
Die Spannungen innerhalb der evangelikalen Gemeinschaft könnten langfristige Konsequenzen haben. Trump hat sich jahrzehntelang auf die treue Unterstützung dieser Wähler verlassen. Doch wenn die theologischen Gräben tiefer werden und sein provokatives Auftreten weiter eskaliert, könnte dies die MAGA-Bewegung schwächen.
Einige evangelikale Führer distanzieren sich bereits öffentlich von Trump. Andere versuchen, seine Angriffe auf religiöse Autoritäten als notwendige Provokation im Kampf gegen den "liberalen Mainstream" zu rechtfertigen. Doch die Spaltung ist real – und sie könnte die politische Landschaft der USA nachhaltig verändern.
Eines ist klar: Die Zeiten, in denen Evangelikale geschlossen hinter einem Kandidaten standen, sind vorbei. Die Frage ist nicht mehr, ob Trump die Unterstützung verliert, sondern wie schnell und wie tief der Riss geht.