Das US-Justizministerium hat diese Woche Strafanzeige gegen den Southern Poverty Law Center (SPLC) erhoben. Der Vorwurf: Die seit Jahrzehnten als Bürgerrechtsorganisation bekannte Gruppe soll Spender durch geheime Zahlungen an Informanten in Hassgruppen betrogen haben. „Der SPLC fabriziert Rassismus, um seine Existenz zu rechtfertigen“, erklärte amtierender Justizminister Todd Blanche in einer Stellungnahme. FBI-Direktor Kash Patel ergänzte: „Der SPLC soll eine massive Betrugsmasche betrieben haben, um Spender zu täuschen, sich selbst zu bereichern und seine Täuschungen vor der Öffentlichkeit zu verbergen.“

Skepsis gegenüber den Vorwürfen – doch Trump feiert die Anklage

Mehrere Kommentatoren, darunter auch SPLC-Kritiker aus dem gesamten politischen Spektrum, äußerten Zweifel an der Stichhaltigkeit der Anklage. Für Ex-Präsident Donald Trump und seine Anhänger markiert die Anklage jedoch erst den Anfang einer neuen Kampagne. Am Freitagmorgen um 1:13 Uhr schrieb Trump auf Truth Social:

Der Southern Poverty Law Center, eine der größten politischen Betrugsmaschen der amerikanischen Geschichte, wurde wegen FRAUD angeklagt. Das ist ein weiterer Demokraten-Schwindel – zusammen mit Act Blue und vielen anderen. Sollte sich das bewahrheiten, müsste die Präsidentschaftswahl 2020 rückwirkend für ungültig erklärt werden! Danke für Ihre Aufmerksamkeit zu dieser Angelegenheit. Präsident DJT.

Wie die Anklage gegen den SPLC eine Wahl annullieren könnte, die bereits vor 15 Monaten stattfand, bleibt unklar. Dennoch zeigen sich Trumps Verbündete zunehmend entschlossen, weitere missliebige Organisationen ins Visier zu nehmen.

Trump-Megadonor sucht nach neuen Zielen – mit Hilfe von KI

Am Donnerstagnachmittag forderte Trump-Megadonor Marc Andreessen die KI-Plattform Grok – verfügbar über Elon Musks X – auf, mögliche weitere „aktivistische Druckgruppen“ zu identifizieren, die ähnliche Praktiken anwenden könnten. Anschließend verkündete er seinen Followern: „Grok hat Ideen, wen wir als Nächstes unter die Lupe nehmen sollten.“

Grok ist ein Sprachmodell und hat keine eigenen Gedanken. Dennoch lieferte die KI zahlreiche Vorschläge: die Anti-Defamation League (ADL), Media Matters for America, GLAAD und die Human Rights Campaign. Grok betonte, dass für diese Gruppen „noch kein SPLC-ähnlicher Betrug nachgewiesen wurde“ – was freilich auch für den SPLC selbst gilt.

In einem Tweet erklärte Grok:

Gruppen wie die ADL (die „Hass“ trackt und Deplatforming vorantreibt, während ihr Übergriffe auf Kritiker vorgeworfen werden), Media Matters (treibt Werbeboykotte gegen konservative Stimmen voran) und CCDH (berichtet über Plattformen, die Zensur betreiben) arbeiten nach einem ähnlichen Muster: Sie identifizieren Gegner, um …

Elon Musk kommentierte mit „Interessante Diskussion“ und teilte Andreessens Recherche mit seinen 239 Millionen Followern.

Aktivistische Gruppen im Fokus – doch wer sind die wahren „Radikalen“?

Die genannten Organisationen – ADL, Media Matters und GLAAD – sind große, meist mittel- bis linksgerichtete Nichtregierungsorganisationen. Sie gelten nicht als radikal, sondern als etablierte Akteure in der politischen Landschaft. In einem separaten X-Post am Donnerstagabend präzisierte Andreessen seine Vorwürfe gegen eine Reihe nicht namentlich genannter Aktivistengruppen:

„Jahrzehntelang saß ich in Meetings, in denen diese Gruppen entschieden, wer gecancelt, entbankt oder zensiert wurde. Völlig unamerikanisch. Dafür gehören Leute ins Gefängnis.“

Ob die Vorwürfe gegen den SPLC tatsächlich haltbar sind, bleibt umstritten. Doch für Trump und seine Anhänger scheint klar: Die Kampagne gegen missliebige NGOs hat gerade erst begonnen.