Die jüngsten Anklagen von US-Präsident Donald Trump gegen politische Gegner wirken zunehmend fragwürdig – selbst er scheint daran zu zweifeln. Bei einer Befragung durch CNN-Journalistin Kaitlan Collins gestern äußerte sich Trump zu einer aktuellen Anklage gegen den ehemaligen FBI-Direktor James Comey. Trump hatte bereits versucht, Comey 2023 wegen angeblicher Justizbehinderung ins Gefängnis zu bringen – doch die Klage wurde fallen gelassen, nachdem sich herausstellte, dass Trumps Ankläger rechtswidrig ernannt worden war.

Die neue Anklage stützt sich auf einen Instagram-Post von Comey aus dem vergangenen Jahr. Darin waren Muscheln am Strand so arrangiert, dass sie die Zahl „86“ bildeten. Im Gastronomiegewerbe bedeutet „86“ das Streichen eines Gerichts von der Speisekarte. Die Staatsanwaltschaft deutet dies jedoch als versteckte Drohung gegen Trump und leitet daraus einen Mordversuch ab.

Collins fragte Trump direkt, ob er Comeys Post tatsächlich als Lebensbedrohung interpretiere. Seine Antwort fiel wenig überzeugend aus:

„Wenn jemand etwas über Verbrechen weiß, dann weiß er, dass ‚86‘ ein Mafia-Begriff für ‚Töte ihn‘ ist. Haben Sie schon mal die Filme gesehen? … Ich sehe das als Mafia-Begriff. Ich weiß es nicht.“

Trump begann daraufhin, über Gangster zu sprechen, bis Collins ihn unterbrach und konkret nachfragte: „Denken Sie wirklich, Ihr Leben war in Gefahr?“

Trumps Antwort: „Wahrscheinlich. Ich weiß es nicht.“

Er fuhr fort, Comey als „schmutzigen Polizisten“ zu bezeichnen, der die Wahlen manipuliert habe. Doch selbst einige republikanische Politiker zeigen sich skeptisch gegenüber der Anklage. So erklärte Senator Thom Tillis aus North Carolina, Mitglied des Justizausschusses, dass er „86“ häufig verwende – ohne jemals damit einen Mord zu andeuten.

Auch der Abgeordnete Troy Nehls bezeichnete die Anklage als „übertrieben“ und kritisierte: „Man kann jeden für alles anklagen.“

Für Comey dürfte es ein Leichtes sein, sich zu verteidigen: Die Muschel-Anordnung könnte schlicht bedeuten, dass er Trump „loswerden“ wollte – ohne konkrete Gewaltandrohung. Doch im Gerichtssaal zählt nicht Trumps Interpretation, sondern die rechtliche Bewertung. Und die sieht bei „86“ eher nach einer harmlosen Redewendung aus.